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Léo Taxil (1854–1907), französischer antiklerikaler Satiriker, ersann den Schwindel um Diana Vaughan, einen zwölfjährigen Streich gegen die Kirche. In La Bible amusante (Die amüsante Bibel) erzählte er die Bibel mit dick aufgetragener Ironie nach und hob hervor, was er für ihre Widersprüche, Irrtümer und Absurditäten hielt. Die Erstausgabe (1882, ca. 400 Seiten) bringt 400 große Zeichnungen von Frid’Rick (140 × 110 mm) mit kurzen Legenden. Die vollständige Ausgabe (1903–1904, ca. 814 Seiten) druckt sie kleiner (102 × 80 mm), beginnt mit Taxils offenem Brief an Leo XIII. und stellt den Bibelwortlaut neben die Widerlegungen von Voltaire, Fréret, Lord Bolingbroke, Toland und anderen Kritikern. Hier stammen die Bilder aus der Ausgabe von 1882, der Text aus der vollständigen von 1903–1904.

The Amusing Bible • German
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Léo Taxil - Die amüsante Bibel – HTML / EPUB / 52 MB

 

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Version 2026-09-26

Umschlag


Léo Taxil - Die amüsante Bibel


Mit den wörtlichen Zitaten der Heiligen Schrift und der Wiedergabe aller Widerlegungen, die Voltaire, Fréret, Lord Bolingbroke, Toland & andere Kritiker ihr entgegengesetzt haben.

Vollständige Ausgabe von 1903-1904
Paris, Librairie P. Fort, 19, rue du Temple, 19


Titelvignette: die Gestalten der Bibel lesen Die amüsante Bibel


Inhaltsverzeichnis


Über Léo Taxil

Widmung an den unfehlbaren Heiligen Vater

   

1. Die Schöpfung und das irdische Paradies

2. Kurze Geschichte der ersten Menschen

3. Die Engel im Konkubinat auf Erden

4. Allgemeine Ersäufung der Menschheit

5. Glückliches Leben eines vielgeliebten Patriarchen

6. Eine der Vermehrung geweihte Familie

7. Mose und die vierzigjährige Reise

8. Die Heldentaten Josuas und Gideons

9. Die Richter Jephthah und Simson

10. Süße Idylle der schönen Ruth

11. Geschichte Samuels vor dem Königtum

12. Saul, der erste König, und sein Nebenbuhler David

13. Glorreiche Regierung S. M. Salomos

14. Die zwei Königreiche: Israel und Juda

15. Während und nach der Gefangenschaft

   

Konkordanztafel

Kleines Glossar der Wörter Taxils

Über diese Ausgabe


Über Léo Taxil


Léo Taxil ist das Pseudonym von Marie Joseph Gabriel Antoine Jogand-Pagès (Marseille, 21. März 1854 – Sceaux, 31. März 1907), einem französischen Journalisten und Schriftsteller, der für seine antiklerikale Satire und für eine der kühnsten Mystifikationen des 19. Jahrhunderts berühmt geblieben ist. Sein Pseudonym hatte er aus Leonidas, einem Vorfahren mütterlicherseits, und Taxiles, dem indischen König und Verbündeten Alexanders des Großen, gebildet. Sein Vater, ein katholischer und royalistischer Eisenwarenhändler, gedachte aus ihm einen Betbruder zu machen und ließ ihn bei den Maristenbrüdern und bei den Jesuiten unterrichten. Mit vierzehn Jahren brach der Junge unter dem Einfluss von La Lanterne, der heimlich verbreiteten Zeitung Henri Rocheforts, mit der Religion und versuchte zu fliehen, um sich Rochefort im Brüsseler Exil anzuschließen. Sein Vater ließ ihn für zwei Monate in die Strafkolonie Mettray einweisen, eine Besserungsanstalt für junge Straftäter, wo er, nach seinen eigenen Worten, der Religion ewigen Hass schwor.

Der Mystifikator zeigte sich früh. 1873, als in Marseille der Belagerungszustand herrschte, leerten Briefe von Fischern, die knapp Haien entkommen waren, die Strände, und der General, der die Stadt befehligte, schickte hundert Bewaffnete auf einem Schlepper zur Haijagd aus. Sie fanden keinen. Die Fischer gab es nicht, und alle Briefe stammten von derselben Hand, doch den Urheber fand man nie. Erst 1897 enthüllte Taxil, dass er sie selbst geschrieben hatte, mit neunzehn Jahren, um sich am General dafür zu rächen, dass dieser seine Zeitung La Marotte verboten hatte. Einige Jahre später kündigte er in Genf, wohin er vor Verurteilungen wegen Pressevergehen geflohen war, nach eigener Darstellung eine im Genfer See versunkene Römerstadt an: Touristen kamen aus ganz Europa, und ein polnischer Archäologe versicherte, einen Platz und die Reste einer Reiterstatue erkannt zu haben.

1878 ließ er sich in Paris nieder, wo er den Verlag Librairie anti-cléricale sowie die Zeitungen L’Anti-Clérical und La République anti-cléricale gründete. 1879 stand er wegen seiner Broschüre À bas la calotte ! vor dem Schwurgericht der Seine, angeklagt der Beleidigung einer vom Staat anerkannten Religion und der Verletzung der guten Sitten, und wurde freigesprochen. 1881 trat er einer Freimaurerloge bei, die ihn noch im selben Jahr ausschloss, ohne dass er über den ersten Grad, den des Lehrlings, hinausgekommen wäre.

In La Bible amusante (1882), rund 400 von Frid’Rick illustrierten Seiten, und in ihrem dem Neuen Testament gewidmeten Pendant, La Vie de Jésus, erzählte er die Bibel mit dick aufgetragener Ironie nach und hob hervor, was er für ihre Widersprüche, Irrtümer und Absurditäten hielt. Andere Werke malten die Häupter der Kirche als Libertins nach Art des Marquis de Sade. Das Unternehmen dauerte nicht lange: 1884 ging die Librairie in Konkurs, und die Polizeiberichte jenes Jahres schildern ihn als völlig mittellos.

Am 20. April 1884 veröffentlichte Papst Leo XIII. die Enzyklika Humanum Genus, die das Menschengeschlecht in das Reich Gottes und das Reich Satans teilte, dessen Parteigänger von der Freimaurerei „geführt oder unterstützt“ wurden. Der Papst machte es den Bischöfen zur ersten Regel, „der Freimaurerei die Maske abzureißen und sie zu zeigen, wie sie ist“.

Taxil folgte dem Ruf. Im Juli 1885 veröffentlichte er in seiner eigenen République anti-cléricale einen Brief, in dem er alle seine Schriften gegen die Religion widerrief, und die Antiklerikale Liga, die er mitbegründet hatte, schloss ihn als Verräter aus. Nach Exerzitien bei den Jesuiten und einer Generalbeichte wurde er wieder in die Kirche aufgenommen, und 1887 empfing ihn Leo XIII. in Privataudienz.

Der Konvertit richtete seine Feder gegen die Freimaurerei, mit derselben Vehemenz und denselben Methoden. Seine ersten antifreimaurerischen Bücher vermischten echte Rituale mit Erfindungen, die aus dem Großen Baumeister aller Welten den leibhaftigen Teufel machten. Sie verkauften sich gut: 1889 kaufte er ein Schloss in Sévignacq im Béarn.

Von 1892 bis 1895 erschien in 240 Lieferungen Le Diable au XIXe siècle (Der Teufel im 19. Jahrhundert), gezeichnet „Dr. Bataille“ und zusammen mit dem Schiffsarzt Charles Hacks verfasst. Das Werk gab vor, den „Palladismus“ zu enthüllen, eine von Taxil erfundene luziferische Freimaurerei, und ihre Hohepriesterin Diana Vaughan, die ebenso erfunden war. Auf seinen Seiten verwandelte sich bei einer spiritistischen Sitzung in London ein Tisch in ein geflügeltes Krokodil und spielte Klavier; Dianas Rivalin Sophie Walder ging durch Wände, und ihre Schlange schrieb ihr mit der Schwanzspitze Weissagungen auf den Rücken; Diana selbst reiste von Planet zu Planet und war mit dem Dämon Asmodeus verlobt. 1895 gründete Taxil unter ihrem Namen eine Zeitschrift. Nach drei Nummern meldete das Blatt Dianas Bekehrung: Ihr sei ein Wort der Bewunderung für Jeanne d’Arc entschlüpft, deren Name die Dämonen in die Flucht geschlagen habe. Ihre Mémoires d’une ex-palladiste folgten in Lieferungen. Rom zeigte sich wohlwollend: Kardinal Parocchi übermittelte ihr einen ganz besonderen Segen des Papstes, und 1896 segnete die Jesuitenzeitschrift Civiltà Cattolica „die edle Diana Vaughan“.

Doch der Zweifel wuchs. Der Bischof von Charleston in South Carolina, wo Taxil den Sitz des Palladismus angesiedelt hatte, reiste nach Rom, um dem Papst zu versichern, die Freimaurer seiner Stadt seien ehrbare Leute und ihr Tempel berge keine Satansstatue. Leo XIII. sandte seinen Segen an den ersten internationalen antifreimaurerischen Kongress, der im September 1896 in Trient vor sechsunddreißig Bischöfen zusammentrat und auf dem Taxil gefeiert wurde. Gerade in Trient aber kamen die Zweifel ans Licht: Skeptiker verlangten Dianas Geburtsurkunde und die Bescheinigung des Priesters, der ihre Abschwörung entgegengenommen hatte, und der Kongress ernannte eine Kommission, die feststellen sollte, ob sie existierte. Im Januar 1897 fand die Kommission weder für noch gegen ihre Existenz einen Beweis, und Pierre Lautier, ein angesehener katholischer Anwalt, der versichert hatte, mit ihr zu Mittag gegessen zu haben, räumte ein, er sei womöglich getäuscht worden.

Taxil versprach schließlich, sie bei einem Vortrag vorzustellen, am Ostermontag, dem 19. April 1897, in der Geographischen Gesellschaft in Paris. Der Abend begann mit der Verlosung einer Schreibmaschine, die „Miss Diana Vaughan“ gestiftet hatte. Dann sprach Taxil vor Journalisten, Priestern, Freidenkern, Freimaurern und zwei Abgesandten der Nuntiatur zwei Stunden lang. Er dankte den Bischöfen und der katholischen Presse für ihre Mithilfe bei seiner höchsten Mystifikation, seiner eigenen Bekehrung, verlas die lobenden Briefe aus Rom und verkündete, auch Diana Vaughan und der Palladismus seien Mystifikationen gewesen, Teil einer zwölfjährigen Posse, die die Leichtgläubigkeit der römisch-katholischen Kirche bloßlegen sollte. Den Namen, behauptete er, habe ihm eine Maschinenschreiberin geliehen, Europavertreterin einer amerikanischen Schreibmaschinenfirma, die mit großem Vergnügen mit Bischöfen und Kardinälen korrespondiert habe. Die Haie und die versunkene Stadt, sagte er, seien die Anfänge einer langen Laufbahn gewesen. Er erinnerte daran, dass er sich in seiner Generalbeichte eines erfundenen Mordes bezichtigt habe; nun gestehe er einen Kindesmord: Der Palladismus sei tot, und sein Vater habe ihn soeben umgebracht.

Im Saal lachten die einen, die anderen pfiffen; ein Priester, der auf einen Stuhl gestiegen war, um zu erwidern, wurde niedergeschrien. Taxil hatte vorsorglich Stöcke und Schirme am Eingang einbehalten lassen; dennoch ging der Tumult in eine Prügelei über, und die Polizei musste ihn in ein nahes Café geleiten. Die Zeitung Le Frondeur druckte seinen Vortrag vollständig unter dem Titel Douze ans sous la bannière de l’Église (Zwölf Jahre unter dem Banner der Kirche). Rom antwortete nichts; kein Urteil war nötig, da der öffentliche Apostat von Rechts wegen exkommuniziert war. Die Wut kam von der katholischen Presse, die ihn zwölf Jahre lang gefeiert hatte und ihn jetzt als Gauner anprangerte.

Nichts von alledem focht Taxil an. Ab 1897 war La Bible amusante, die er 1885 widerrufen hatte, wieder im Handel, vermehrt auf rund 814 Seiten mit 400 nummerierten Illustrationen von Frid’Rick; die vollständige Ausgabe von 1903-1904 begann mit seinem offenen Brief an Papst Leo XIII. und brachte, wie ihr Umschlag ankündigte, die wörtlichen Zitate der Heiligen Schrift mit den Widerlegungen von Voltaire, Fréret, Lord Bolingbroke, Toland und anderen Kritikern.

Er ließ sich scheiden und heiratete wieder, und 1899 zog er von Paris nach Sceaux, wo er laut einem Polizeibericht von 1902 behaglich lebte. Er schrieb weiter unter anderen Namen: laszive Romane als Prosper Manin und, ab 1904, Haushaltsbücher als Jeanne Savarin, darunter einen Leitfaden gegen Lebensmittelverfälschungen. In seinen letzten Jahren arbeitete er als Korrektor in einer Druckerei. 1906 zitierte ein amerikanisches Magazin sein Geständnis: Er habe seine Erzählungen über die Freimaurer so grotesk gemacht, dass er glaubte, jeder werde den Scherz erkennen; doch je mehr er gelogen habe, um zu zeigen, dass er lüge, desto mehr habe man ihm geglaubt. Er starb am 31. März 1907 in Sceaux.

Die Affäre Taxil ist zum Symbol der Leichtgläubigkeit geworden, die sie bloßgelegt hatte, und doch werden die palladistischen Erfindungen in der Literatur über Verschwörungen und die Freimaurerei bis heute manchmal als Tatsachen angeführt. La Bible amusante fand ihr größtes Publikum in der Sowjetunion, wo sie schon 1925 übersetzt wurde; allein die Moskauer Ausgabe von 1962 erreichte eine Auflage von 450.000 Exemplaren, und das Buch wurde 1965 und 1976 neu aufgelegt, 1988 dann in Minsk. Umberto Eco hat Taxil und Diana Vaughan zu Gestalten seines Romans Der Friedhof in Prag (2010) gemacht. Auch die vorliegende Ausgabe mit ihren 400 Illustrationen zeigt, dass das Buch seinen Verfasser überlebt hat.

Aus seinen antiklerikalen Schriften:

À bas la calotte ! (Nieder mit dem Klerus!) (1879)

Les Soutanes grotesques (Die grotesken Soutanen) (1879)

La Chasse aux corbeaux (Die Rabenjagd, gemeint sind die Priester) (1879)

Le Fils du jésuite (Der Sohn des Jesuiten) (1879)

Les Bêtises sacrées (Die heiligen Dummheiten) (1880)

Les Friponneries religieuses (Die religiösen Halunkenstreiche) (1880)

Plus de cafards ! (Keine Scheinheiligen mehr!) (1880)

Calotte et calotins (Klerus und Pfaffen) (1880-1882)

Les Borgia (Die Borgias) (1881)

Les Amours secrètes de Pie IX (Die heimlichen Liebschaften Pius’ IX.) (1881)

Les Pornographes sacrés (Die heiligen Pornographen) (1882)

La Bible amusante (Die amüsante Bibel) (1882) — erste Ausgabe, etwa 400 Seiten

Un Pape femelle (Ein weiblicher Papst) (1882)

L’Empoisonneur Léon XIII (Der Giftmischer Leo XIII.) (1883)

Pie IX devant l’Histoire (Pius IX. vor der Geschichte) (1883)

La Vie de Jésus (Das Leben Jesu) (1884)

La Prostitution contemporaine (Die zeitgenössische Prostitution) (1884)

Les Maîtresses du Pape (Die Mätressen des Papstes) (1884)

La Vie de Veuillot immaculé (Das Leben des unbefleckten Veuillot) (1884)

La Bible amusante (Die amüsante Bibel) (1904) — vollständige Ausgabe, etwa 814 Seiten

Die 400 Zeichnungen von Frid’Rick stammen aus der ersten Ausgabe von 1882 (Paris, Librairie anti-cléricale), wo sie größer gedruckt sind (140 × 110 mm) und jede nur einen Titel und einige Zeilen Text hat. Der Text ist aus der vollständigen Ausgabe von 1903-1904 (Paris, Librairie P. Fort) übersetzt, die dieselben Zeichnungen kleiner druckt (102 × 80 mm). Taxil zitierte meist die Bibel von Jean-Frédéric Ostervald (1744) und änderte hin und wieder ihren Wortlaut um der komischen Wirkung willen; anderswo folgte er der Übersetzung, die Voltaire in La Bible enfin expliquée (1776) gibt. Das Kapitel Über diese Ausgabe am Ende des Buches erklärt, wie diese Ausgabe Taxils Text, die Bibelzitate, die Anmerkungen des Herausgebers und die Seitenzahlen von 1904 darbietet, und nennt die Quellen dieses Kapitels.

Umschlag der ersten Ausgabe, 1882 Umschlag der vollständigen Ausgabe, 1903-1904

Das Kapitel Über diese Ausgabe am Ende des Buches erklärt, wie diese Ausgabe Taxils Text, die Bibelzitate, die Anmerkungen des Herausgebers und die Seitenzahlen von 1904 darbietet, und nennt die Quellen dieses Kapitels.


Widmung an den unfehlbaren Heiligen Vater


Léo Taxil

Heiligster Vater,

Man sagt, dass Sie seit dem 19. April dieses Jahres, des zwanzigsten Ihres glorreichen Pontifikats, nicht zufrieden sind. Der unerwartete Ausgang meiner fröhlichen Mystifikation hat Sie, wie man beteuert, in großen Zorn versetzt, wie einen einfachen Père Duchesne (nach „Le Père Duchesne“, einer Zeitung der Revolution, deren Titelfigur für ihre unflätigen Zornausbrüche berühmt war; „der große Zorn des Père Duchesne“ war ihre stehende Schlagzeile); denn zu wissen, dass man zwölf Jahre lang von einem skeptischen Freidenker mystifiziert worden ist, ist eine eminent unangenehme Sache, wenn man der Vertreter des Heiligen Geistes ist, wenn man direkt und permanent vom göttlichen Tauber (fr. „le divin pigeon“: Taxils Name für den Heiligen Geist, den die christliche Kunst als Taube darstellt; „pigeon“ ist die gewöhnliche Taube des Hofes und der Straße, nicht die „colombe“ der Kirchenbilder) inspiriert wird; aber zu wissen, dass diese lächerliche Lage der ganzen Welt bekannt ist, das ist der Gipfel der Unannehmlichkeit, das ist es, was einen im höchsten Grade verdrießt. O mein Papst, welch ein Dachziegel (fr. „quelle tuile“, eine umgangssprachliche Redewendung: welch ein plötzliches Unglück; wie ein Ziegel, der unversehens vom Dach fällt) für das Dogma Ihrer Unfehlbarkeit!...

Ein Fopper (fr. „fumiste“, eigentlich der Ofensetzer, von „fumée“, Rauch, und umgangssprachlich auch der Spaßvogel, der die Leute täuscht, ohne seinen Ernst zu verlieren; im Vaudeville „La Famille du fumiste“ von 1840 mystifiziert ein reich gewordener Ofensetzer alle Welt und wiederholt dabei „c’est une farce de fumiste“, „das ist eine Ofensetzerposse“, woher das Wort seinen zweiten Sinn hat; Taxil gibt diesen Namen sich selbst und den Verfassern der Bibel) aus Marseille hat sich Ihren ehrwürdigen Kopf geleistet (fr. „se payer la tête de quelqu’un“, eine umgangssprachliche Redewendung: sich auf jemandes Kosten belustigen); Graus! — Und er hatte seine Maßregeln getroffen, damit seine Fopperei (fr. „fumisterie“: eine mit dem größten Ernst der Welt durchgehaltene Mystifikation; ursprünglich das Handwerk des Ofensetzers) am Ende wie eine Bombe platzte, mit einem widerhallenden Getöse in der Presse beider Hemisphären; Fluch! (fr. „malédiction !“, ein Ausruf: auf der französischen Bühne der stehende Schrei des Bösewichts im Melodram, wie auf der deutschen „Verflucht!“; Taxil spielt den Zorn des Papstes, nicht seinen eigenen)

Joachim, mein alter Joachim (Leo XIII. hieß Gioacchino Pecci, auf Französisch wie auf Deutsch Joachim: Taxil nennt den Papst beim Vornamen wie einen alten Kumpan; weiter unten nennt ihn Rochefort beim Familiennamen, mit dem „le nommé“, „der Genannte“, der Polizeiprotokolle), ich verstehe Ihren heiligen Grimm.

Mir ist, als sähe ich Ihre Grimasse bei der Lektüre dieses amüsanten Artikels, in dem Henri Rochefort die Lage so gut zusammenfasste:

« Dieser heiligste Vater, der den Fopper in Privataudienz empfangen hat, kann nicht bestreiten, mit ihm im heimlichen Einverständnis gewesen zu sein; andernfalls wäre seine Unfehlbarkeit, aus der er ein Dogma gemacht hat, unverzüglich zu Staub zermalmt.

Wenn er den Streich nicht bemerkt hat, den sein Besucher ihm zu spielen sich anschickte, was wird dann aus diesem Licht von oben, auf dem, in den Augen der Vertrottelten des Katholizismus, die ganze Gewalt der Nachfolger des heiligen Petrus ruht?

Léo Taxil hat sich über ihn lustig gemacht, aber dieser machte sich über uns lustig; und wenn der erste zwölf Jahre lang die Bischöfe seine Flunkereien (fr. „blagues“: eine „blague“ ist eine erfundene Geschichte, die mit dem größten Ernst der Welt erzählt wird) hat schlucken lassen, so flößt der zweite uns die seinen seit zwölf Jahrhunderten ein.

Entweder ist ein gewisser Pecci nicht unfehlbarer als Sie oder ich, und es bleibt ihm nur, ohne Verzug seinen Rücktritt als Vertreter eines Gottes zu erklären, den er in keiner Weise vertritt;

Oder, da er unfehlbar ist, hat er sich zum Teilhaber eines Flunkerers gemacht, dessen er sich bediente, um den Gegnern der Freimaurerei das Geld abzuzapfen; in diesem Falle bliebe nichts mehr übrig, als die Gendarmen zu beauftragen, hinzugehen und ihn in seinem Palast zu verhaften, wegen Vertrauensmissbrauchs und betrügerischer Entwendung. »

Dreimal ach! mein alter Joachim, das ist das Dilemma, das Ihnen ein illustrer Pamphletist unter den Bravos der Galerie gestellt hat. Und von Paris bis New York, von London bis Montevideo hat die Weltpresse das Dilemma wiederholt; und überall ist der Beifall erschollen, überall hat man über Ihre Verwirrung laut aufgelacht, von überall her sind spöttische fußlange Nasen (fr. „les pieds de nez“, eine Redewendung: die spöttische Geste des Daumens an der Nase mit gespreizten Fingern) in Richtung Ihrer dreifachen Krone angedeutet worden. Und Sie fragten sich, o Sie Dreizehnter der heiligen (fr. „sacrés“, vor einem Substantiv, wie hier, ein umgangssprachlicher Fluch: verdammt; Taxil nennt die dreizehn Päpste Leo mit einem einzigen Wort heilig und verdammt zugleich) Leos, ob das nicht ein Albtraum sei!...

Von Albtraum keine Spur. Sie waren hellwach, und das gewaltige Gelächter, das den Erdball erschütterte, war die verdrießliche Wirklichkeit.

Heiligster Vater, ich schulde Ihnen einen Trost.

Die Woge der Gottlosigkeit schwillt alle Tage an; es ist eine wahre Flut, die steigt, unaufhörlich steigt. Im teuren Frankreich, das die älteste Tochter der Kirche ist, ist der Unterricht seit vielen Jahren schon verweltlicht; so dass die neuen Generationen, die in den Schulen des Staates heranwachsen, nicht das erste Wort der Heiligen Geschichte kennen.

Bei mehreren Gelegenheiten habe ich mit unsäglichem Schmerz festgestellt, dass junge Leute nichts wissen von den erbaulichen Abenteuern von Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Mose, Josua, Gideon, Simson, Samuel, Boas, Saul, David, Salomo, Elia, Elisa, Jona, Hesekiel, Esther, Tobias, Judith, Daniel usw., usw. Von diesen berühmten und verehrten Namen haben sie allenfalls eine vage Vorstellung. Auf die Frage, die ein würdiger Priester unlängst stellte: « Kennen Sie die Makkabäer? » wurde geantwortet: « Sehr wenig; ich habe mir die Morgue nur zweimal angesehen. » („die Makkabäer“ — fr. „les Macchabées“; im Argot ist ein „macchabée“ auch eine Leiche: der junge Mann meinte, der Priester frage nach den Toten, die in der Pariser Morgue öffentlich ausgestellt wurden)

Ein solcher Zustand der Dinge ist betrüblich. Wohin soll es mit uns kommen, gerechter Himmel, wenn die Kenntnis der frommen Episoden der Bibel verloren geht, wenn die einst vom göttlichen Tauber eingegebenen Schriften in Vergessenheit geraten?... Es ist Zeit zu reagieren, Heiligster Vater.

Darum unternehme ich eine neue Ausgabe der Heiligen Schriften. Ich werde nichts auslassen, und ich werde mich bemühen, diese Lektüre so anziehend wie möglich zu machen. Sie werden schon sehen. Bei meiner nächsten Reise nach Rom werde ich von Ihrer erlauchten Hand noch einen besonderen Segen erbitten, um ihn meiner kostbaren Sammlung hinzuzufügen.

Wenn Sie indessen, im Vertrauen auf mich, geruhen, mir diesen Segen erster Wahl zu schicken, ohne meinen Besuch abzuwarten — Heiligster Vater, genieren Sie sich nicht (fr. „ne vous gênez pas“, eine Redewendung: tun Sie sich keinen Zwang an; spöttisch zu dem gesagt, der sich Freiheiten herausnimmt).

Die Freude, Sie mystifiziert zu haben, mindert nicht im Geringsten meinen Eifer für die Verbreitung der großen ewigen Wahrheiten, die die Grundlage der erhabenen Religion sind, deren oberster Pontifex Sie sind. Ich sage nicht, dass meine Amüsante Bibel viel dazu beitragen wird, den Glauben zu festigen; aber sie wird dennoch einen unbestreitbaren Vorteil haben: indem sie unter die Opfer des verweltlichenden Staates dringt, indem sie sich von denen lesen lässt, die jetzt alle diese schönen Dinge nicht oder nur vage kennen, wird sie ihnen offenbaren, was man glauben muss, um sich einen Sohn der katholischen, apostolischen und römischen Kirche nennen zu dürfen.

Wenn danach einige zugeben wollen, dass es einem Menschen möglich ist, drei Tage im Bauch eines Walfischs zu leben, von den anderen biblischen Wundern ganz zu schweigen, so werden Sie mir, mein alter Joachim, warmen Dank dafür schulden, dass ich Ihnen unverhoffte Rekruten eingebracht habe.

Also, keinen Groll wegen meiner Mystifikation, nicht wahr?... Dieses Buch wird Sie getröstet haben, und wir werden wieder gute Freunde sein, wie vor dem 19. April.

Na, na, lass dich nicht bitten, Leo (fr. „ne te fais pas prier, Léon“: in dieser letzten Zeile gibt Taxil das „vous“ auf, mit dem er den Papst die ganze Widmung hindurch angeredet hat, und duzt ihn wie einen alten Freund). Schick mir eine kleine Anzahlung an Segen, mit umgehender Post.

Paris, den 20. Juni 1897 - Léo Taxil.


[1] 1. KAPITEL

Die Schöpfung und das irdische Paradies


Nun, erfahren Sie also, was der Geist Gottes Mose diktierte, dem angeblichen heiligen Verfasser, dem die Genesis, das erste Buch der Heiligen Schrift, zugeschrieben wird; und Sie werden immer wieder feststellen, dass der Geist Gottes, sofern er nicht in krasser Unwissenheit befangen ist, ein Fopper ist, wesenhaft ein Fopper, mehr Fopper als der Erfinder der palladistischen Großmeisterin Diana Vaughan (das heißt Taxil selbst: der Palladismus, eine luziferische Freimaurerei, und seine Großmeisterin waren seine Mystifikation, die er am 19. April 1897 enthüllte; der Geist Gottes ist also ein noch größerer Fopper als er).

Gott ist von aller Ewigkeit her; aber am Anfang der Zeiten war er allein im Nichts. Nichts existierte außer ihm, der sich damals Elohim nannte, ein hebräischer Name, mit dem ihn der erste Vers der Bibel bezeichnet; und dieser Name ist ein Plural, was recht singulär ist für einen Herrn ganz allein.

Also, Elohim — der auch Jehova, Zebaoth, Adonai ist, wie wir weiter unten sehen werden — Elohim langweilte sich (oder langweilten sich) zu sechs Franken pro Kopf (fr. „s’embêter à six francs par tête“, eine Redewendung: sich gewaltig langweilen; scherzhaft gesagt, als hätte die Langeweile teuer gekostet) inmitten seines Chaos; « tohu-bohu » (im Deutschen „Tohuwabohu“: ein formloses Durcheinander, aus dem hebräischen „tohu wa-bohu“ von Genesis 1:2, bei Luther „wüst und leer“) ist der biblische Ausdruck, tohu-bohu, welches das Unterste zuoberst bedeutet.

1. Das Chaos.

1. Das Chaos.

Da die Ewigkeit maßlos lang ist, langweilte sich Meister Elohim Milliarden und Milliarden von Jahrhunderten lang. Endlich hatte er eine Idee: da er Gott war, das heißt allmächtig, befand er, es wäre der Gipfel der Dummheit (fr. „le comble de la bêtise“: ein Wortspiel, denn „s’embêter“, sich langweilen, ist von „bête“, Tier, dumm, gebildet, wie „bêtise“, Dummheit), sich immer zu langweilen, ohne etwas zu tun, und er beschloss zu schaffen.

Er hätte alles mit einem einzigen Schlag schaffen können. Nun, nein; es schien ihm besser, sich Zeit zu lassen. Und er machte den Himmel und die Erde, oder, besser gesagt, die Materie erschien durch die bloße Anstrengung seines Willens; eine Materie, unförmig, leer, [2] wirr, noch tohu-bohu, und voll von Feuchtem. « Und der Wind Gottes lief über den Wassern » (wörtlich); der Leser ist nicht gezwungen zu verstehen.

Um keine Fauxpas zu begehen, war es vor allem nötig, klar zu sehen; woraus man zu schließen berechtigt ist, dass während der tausend Milliarden vorhergehender Jahrhunderte dieser arme Papa Lieber Gott (fr. „papa Bon Dieu“, der Name, den Taxil Jehova gibt: ein gutmütiger Vater, mit dem man vertraulich redet, nicht der Gott der Theologen) in tiefster Dunkelheit war.

[3] Glücklicherweise stieß er sich nie und nirgends die Nase, da es überhaupt nichts gab.

« — Es werde Licht! » befahl der Ewige.

« Und das Licht ward. »

Was war dieses Licht? Die Bibel sagt es nicht; sie beschränkt sich darauf, uns über Folgendes zu belehren: « Gott sah, dass das Licht gut war ». Er war folglich davon befriedigt. Seine erste Sorge war dann, « das Licht von der Finsternis zu scheiden »; [4] wiederum unnütz, verstehen zu wollen. « Und Gott nannte das Licht, Tag; und die Finsternis, Nacht ». — « Also ward der Abend, also ward der Morgen. » So war der erste Tag der Schöpfung.

2. Erschaffung des Lichts.

2. Erschaffung des Lichts.

Worauf sich Papa Lieber Gott daran machte, zu schaffen... raten Sie was... die Ausdehnung, oder, wenn Ihnen das lieber ist, den Raum. Sobald man nur ein wenig darüber nachdenken will, ist klar, dass der Raum von jeher existierte, selbst wenn man eine Zeit annimmt, in der er mit keinem Stern, keinem Planeten möbliert war. Dennoch wurde die Ausdehnung nach dem Licht geschaffen, obwohl « geschaffen » hier ein unpassender Ausdruck ist. Die Bibel, in ihrem ersten Kapitel sehr verworren, hat uns, wie wir soeben gesehen haben, gelehrt, dass Elohim zu Beginn der Schöpfung den Himmel und die Erde im tohu-bohu machte, mit unförmiger Materie und wirren Wassermassen, über denen der Wind Gottes lief; und so erklärt das heilige Buch diese zweite Operation, die Bildung der Ausdehnung: « Gott schuf die Ausdehnung und schied die Wasser, die oberhalb der Ausdehnung sind, von denen, die unterhalb der Ausdehnung sind; und also ward es. » (Genesis 1:7) Einige Kommentatoren sagen, es handle sich um die Atmosphäre. Jedenfalls liest man in Vers 8: « Und Gott nannte die Ausdehnung, Himmel. Also ward der Abend, also ward der Morgen; das war der zweite Tag. »

(„die Ausdehnung“ — fr. „l’étendue“, das Wort der Bibel Ostervalds, wo Luther „die Feste“ hat. Das hebräische „rāqîaʿ“ ist eine dünn ausgeschlagene Platte, wie Metall unter dem Hammer: ein Himmel, der zugleich ausgedehnt und fest ist. Luther behielt das Feste, Ostervald nur die Ausdehnung, und auf diese Ausdehnung bezieht sich Taxils Scherz.)

Wie dem auch sei, aus alledem geht hervor, dass der Heilige Geist dem Verfasser eine prächtige Flunkerei erzählte und seine Naivität missbrauchte. Diese Geschichte von Wassern oberhalb und Wassern unterhalb ist die Wiedergabe eines groben Irrtums der primitiven Völker. Alle Alten glaubten nämlich, die Himmel seien etwas Solides, Festes — daher der Name « Firmament » —, und man stellte sie sich sogar aus Kristall vor, da das Licht hindurchging; und die Meinung war, dass es oberhalb dieser festen Platte, dieses Firmaments, ein ungeheures Wasserreservoir gebe. Heute wissen wir, dass der Regen das Wasser ist, das von der Sonne angezogen und hochgepumpt wird, zu Dämpfen, zu Wolken wird und dann auf die Erde zurückfällt; aber früher glaubte man, der Regen komme aus dem großen oberen Reservoir; man nahm eine Art Fenster an, die sich in der Platte des Firmaments öffneten und wieder schlossen und so die Regenfälle hervorbrachten. Und diese Meinung, über die wir jetzt lachen, war sehr lange in Umlauf; es ist die Ansicht des Origenes, des heiligen Augustinus, des heiligen [5] Cyrillus, des heiligen Ambrosius und einer erheblichen Zahl von Kirchenlehrern der ersten Jahrhunderte des Katholizismus. Der Heilige Geist, dieser Fopper, hielt sie zum Narren.

3. Erschaffung der Atmosphäre.

3. Erschaffung der Atmosphäre.

Kurzum, lassen wir das. Den dritten Tag verwendete Papa Lieber Gott auf eine Arbeit, deren Ergebnisse merklicher sind als die der vorhergehenden Tage. Er senkte seine Blicke auf die unteren Wasser, und er sagte sich, es wäre nützlich, sie zu sammeln, so dass trockene Teile zum Vorschein kämen, das heißt Kontinente.

Da sammelten sich die Wasser, seinem Willen sehr gehorsam, gesondert, wobei sich Tiefen für ihre Sammlung ausgehöhlt hatten; dagegen bildeten sich Höhen, die die Oberfläche der festen Materie von Bergen starren ließen, während das Flüssige in langsamen oder jähen Wogen den neuen Schlünden zurollte. « Und Gott nannte das Trockene, Erde; er nannte auch die Sammlung der Wasser, Meere. Und Gott sah, dass es gut war. »

4. Erschaffung der Kontinente und der Meere.

4. Erschaffung der Kontinente und der Meere.

Es ist zu bemerken, dass Papa Lieber Gott meistens mit seinem Tagewerk zufrieden war. — Name einer Pfeife! (fr. „Nom d’une pipe !“, ein Fluch: „Nom de Dieu !“, „Name Gottes!“, mit einer Pfeife an der Stelle Gottes, damit keine Gotteslästerung ausgesprochen wird) muss er sich gesagt haben, was für eine Muschel (fr. „moule“, ein umgangssprachliches Wort: ein Dummkopf ohne Charakter, weich wie das Schaltier) ich gewesen bin, das nicht früher geschaffen zu haben!

An jenem Tag war er so befriedigt von seinen Kontinenten und seinen Meeren, dass er vor Einbruch der Nacht noch etwas machen wollte. « Die Erde treibe ihren Spross hervor, sprach er, nämlich Gras, das Samen trägt, und fruchtbare Bäume, die Frucht tragen, ein jeder nach seiner Art, die ihren Samen in sich selbst haben auf der Erde. Und also ward es. » (Genesis 1:11)

5. Erschaffung der Bäume und der Pflanzen.

5. Erschaffung der Bäume und der Pflanzen.

Man kann diese zarte Aufmerksamkeit des Schöpfers nicht genug bewundern. Unmöglich, umsichtiger zu sein als er. Denn man fragt sich, was die Erde wäre, wenn Gott sie mit fruchtbaren Bäumen bepflanzt hätte, die jeder andere Früchte trügen als die seiner Art. Danken wir dem väterlichen Elohim, dass er uns keine Aprikosenbäume gegeben hat, die Orangen hervorbringen, keine Orangenbäume, die Äpfel hervorbringen, keine Apfelbäume, die Johannisbeeren hervorbringen, usw.; man würde sich nicht mehr zurechtfinden. Ah! ja, danken wir Gott; welch guter, vorsorglicher Papa!...

Die Erde hatte ihm gehorcht, und die Aprikosenbäume waren gewachsen und trugen Aprikosen; Gott, noch einmal, « sah, dass es gut war. Also ward der Abend, also ward der Morgen; das war der dritte Tag ».

Aber hier kommt eine ganz andere Geschichte! Drei Tage schon [6] waren mit Abend und Morgen verflossen, dank dem gleich zu Anfang geschaffenen Licht: nur, absonderlich genug, dieses Licht, das am Ende des Tages verschwand, um der Finsternis der Nacht Platz zu machen, dieses Licht erleuchtete die werdende Welt, ohne irgendeine Quelle zu haben; nicht mehr Sonne als auf dem Grund einer Steinkohlengrube. Diese Kuriosität verdient ein wörtliches Zitat aus der Bibel:

« 14. Dann sprach Gott: Es seien Lichter in [7] der Ausdehnung der Himmel, um die Nacht vom Tag zu scheiden, und die zu Zeichen dienen, und für die Jahreszeiten, und für die Tage, und für die Jahre;

15. Und die zu Lichtern seien in der Ausdehnung der Himmel, um über der Erde zu leuchten; und also ward es.

16. Gott machte also zwei große Lichter: das größere Licht, um über den Tag zu herrschen, und das kleinere, um über die Nacht zu herrschen; er machte auch die Sterne.

17. [8] Und Gott setzte sie in die Ausdehnung der Himmel, um über der Erde zu leuchten:

18. Und um über den Tag und über die Nacht zu herrschen, und um das Licht von der Finsternis zu scheiden; und Gott sah, dass es gut war.

19. Also ward der Abend, also ward der Morgen; das war der vierte Tag. »

6. Erschaffung der Gestirne.

6. Erschaffung der Gestirne.

Kein Quiproquo, nicht wahr? es handelt sich wirklich um die Sonne und den Mond. Also hat dem Heiligen Geist zufolge die Erschaffung der Sonne vier Tage nach der Erschaffung des Lichts stattgefunden! Nun weiß der Heilige Geist offensichtlich alles; sonst wäre er nicht der Heilige Geist, sondern ein einfacher Schwachkopf. Jedes Mal, wenn die Wissenschaft eine Entdeckung macht, muss der Heilige Geist in seinen Tauberschnabel hineinlachen (fr. „rire dans son bec de pigeon“, nach der Redewendung „rire dans sa barbe“, „in seinen Bart lachen“: heimlich lachen, wie man sich im Deutschen ins Fäustchen lacht; Taxil setzt den Schnabel des Taubers an die Stelle des Barts) und in sich hineinmurmeln: Ich jedenfalls weiß das von aller Ewigkeit her; diese armen Pygmäen von Menschen geben sich große Mühe, herauszufinden, was ist!

Aber warum hat der Heilige Geist Mose dann auch noch diese kolossale Dummheit über das Licht und die Sonne diktiert?... Was für ein Fopper, wahrhaftig!...

Bis zu Ole Rømer, einem Astronomen in Kopenhagen, der im 17. Jahrhundert lebte (1644-1710), hat man nämlich geglaubt, die Sonne bringe das Licht nicht hervor, sondern das Licht existiere im Raum, und die Sonne diene nur dazu, es zu « stoßen »; diese falsche physikalische Auffassung war ein Irrtum Descartes’ selbst. Rømer ist es, dem die Wissenschaft den Beweis dieser wichtigen Wahrheit verdankt, die der Aussage der Bibel geradewegs zuwiderläuft, nämlich: das Licht, das unsere Welt erhellt, geht von der Sonne aus, und seine Ausbreitung erfolgt nicht augenblicklich. Der große dänische Astronom brachte es sogar dahin, die Geschwindigkeit des Sonnenlichts genau zu bestimmen; er stellte fest, und das ist heute tausendfach bewiesen, dass dieses Licht acht Minuten achtzehn Sekunden braucht, um von dem Gestirn, das seine Quelle ist, zu uns zu gelangen, was einer Geschwindigkeit von 308.000 Kilometern in der Sekunde entspricht. Man weiß, dass die Beobachtung der Verfinsterungen der Satelliten des Jupiter, eines Planeten, der Teil unseres Sonnensystems ist, Rømer zu dieser großen Entdeckung führte. Rømer war damals in Frankreich, und er beeilte sich, seine Entdeckung der Akademie mitzuteilen (Siehe die Geschichte der Akademie, Sitzung vom 22. November 1675.)

[9] Man kann ferner mit Voltaire sagen: « Wenn Gott das Licht zuerst in den Lüften verbreitet hätte, damit es dann von der Sonne gestoßen werde und die Welt erhelle, so könnte es weder gestoßen werden, noch erhellen, noch von der Finsternis geschieden werden, noch einen Tag vom Abend bis zum Morgen machen, bevor die Sonne existierte; diese Theorie widerspricht aller Physik und aller Vernunft. »

Mose, in der Astronomie sehr unwissend, hat sich also vom Heiligen Geist narren lassen; denn der göttliche Tauber wusste zu der Zeit, als die Genesis geschrieben wurde, was Rømer 1675 entdecken sollte.

Man beachte auch, wie wenig Bedeutung die Sterne in der Schöpfung nach der Bibel haben. Die « zwei großen Lichter » sind die Sonne und der Mond; der Mond! der nur ein Satellit unseres irdischen Planeten ist! Die unwissende Genesis ist weit davon entfernt, zu ahnen, dass Mond, Erde und sogar Sonne im Universum sehr wenig bedeuten; dass unsere glänzende Sonne, das Zentralgestirn der Welt, die wir bewohnen, ein bescheidener Stern ist, einer der unzähligen Sterne, die die Milchstraße bilden. Der heilige Verfasser sieht nur die Erde und bezieht alles auf die Erde, einen winzigen Planeten, der in Wirklichkeit um einen Stern siebenter Größe kreist; und diese Stern-Sonne lässt der armselige Schriftsteller, astronomisch, von seinem Planeten abhängen!

Ah! der bedauernswerte Mose wäre bass erstaunt, wenn er in unseren Tagen auferstünde. Ich stelle mir vor, was für einen Kopf er machen würde (fr. „quelle tête il ferait“, eine Redewendung: was für ein erstauntes Gesicht er machen würde), wenn er, um sich zu unterrichten, in irgendein Observatorium Europas oder Amerikas käme und dort zum Beispiel erführe, was Sirius ist, ein Stern erster Größe: Sirius, der schönste und glänzendste der Sterne des Himmels, auf den ihn der Heilige Geist aufmerksam zu machen versäumte; Sirius, dessen Licht nahezu zweiundzwanzig Jahre braucht, um zu uns zu gelangen, da seine Entfernung von der Erde 52.174.000 Millionen Meilen beträgt, das heißt 1.373.000-mal die Entfernung von der Sonne zur Erde. Was würde der arme Mose sagen, an dem Tag, an dem man ihm die staunenswerte Bedeutung der anderen Sonnenwelten im Universum offenbarte, die er nicht einmal ahnte?

Nehmen Sie an, der Professor lehre Mose, nach Humboldt, einfach dies: — Obwohl in so großer Entfernung voneinander, gehören Sirius und unsere Sonne derselben Sternschicht an, die in den Himmelsräumen isoliert ist, einer Sterneninsel im Universum; und diese Insel von Welten und Sonnen, von abgeplatteter, [10] linsenförmiger Gestalt, hat in ihrer großen Achse achthundertmal die Entfernung von Sirius zur Erde; und indessen ist sie nur eine kleine, äußerst dünne Schicht, wenn man sie mit den großen, dicken und tiefen Schichten vergleicht, die sie umgeben und die unvergleichlich reicher an Sternen und Sonnen sind. — Mose, der gutwillig geglaubt hat, die Erde sei der Mittelpunkt des von Gott geschaffenen Universums, würde darüber verrückt.

Kehren wir zur Schöpfung nach der Bibel zurück:

« 20. [11] Dann sprach Gott: Die Wasser sollen in aller Fülle Tiere hervorbringen, die sich regen und die Leben haben; und die Vögel sollen über der Erde fliegen, gegen die Ausdehnung der Himmel.

21. Gott schuf also die großen Fische, und alle lebendigen Tiere, die sich regen, welche die Wasser in aller Fülle hervorbrachten, nach ihrer Art, und jeden Vogel, der Flügel hat, nach seiner Art; und Gott sah, dass es gut war.

22. [12] Und Gott segnete sie und sprach: Wachset und mehret euch, und füllet die Wasser in den Meeren; und die Vögel sollen sich auf der Erde mehren.

23. Also ward der Abend, also ward der Morgen; das war der fünfte Tag.

24. Dann sprach Gott: Die Erde bringe lebendige Tiere hervor nach ihrer Art; die Haustiere, die Kriechtiere und die Tiere der Erde, nach ihrer Art; und also ward es.

25. Gott machte also Tiere der Erde nach ihrer Art, die Haustiere nach ihrer Art, und die Kriechtiere der Erde nach ihrer Art; und Gott sah, dass es gut war. »

7. Erschaffung der Tiere.

7. Erschaffung der Tiere.

Ei ja, all das war gut, und Meister Elohim, der Hände hat, rieb sie sich mit Befriedigung. Aber es gab noch Besseres zu schaffen.

— Nicht eines dieser Tiere gleicht mir, und das ist schade! dachte er. Ich habe indessen einen schönen Kopf, ein feines Ohr, ein lebhaftes Auge, eine geistreiche Nase, und Zähne! Ich könnte zwar einen Spiegel schaffen, um mich darin zu betrachten; aber es ist besser, glaube ich, mich zu betrachten, indem ich meinesgleichen ansehe... Wohlan, es ist beschlossen; es muss unbedingt auf Erden ein Tier geben, das meinen Kopf hat.

Während Papa Lieber Gott diese Überlegung bei sich anstellte, kamen vermutlich verschiedene frisch erschaffene Affen herbei und schlugen um ihn herum Kapriolen.

— Sie haben etwas von mir, muss er sich gesagt haben; aber das ist es doch nicht. Fast alle diese Arten sind mit einem Schwanz geschmückt, und ich habe keinen Schwanz. Was die betrifft, die dieses kaudalen Anhängsels entbehren... nein, das ist es auch noch nicht!...

Und die Affen schnitten Grimassen und schlugen weiter ihre wundersamen Kapriolen.

Da nahm Papa Lieber Gott einen Klumpen feuchter Erde, und er « knetete » ihn. — Kommen Sie mir nach alledem noch und behaupten Sie, Gott sei ein reiner Geist und habe keine Hände! — Die Bibel sagt auch, dass Gott, nachdem er den Menschen gebildet hatte, « ihm in die Nasenlöcher einen Atem des Lebens blies ». Da haben wir also den ersten Menschen, geknetet, dann mit einem großen Aufgebot an Speicheltröpfchen beseelt. Auf diese Weise « ward der Mensch zu einer lebendigen Seele gemacht ». (Genesis 2:7)

8. Erschaffung des Menschen.

8. Erschaffung des Menschen.

Es gibt eine wenig klare Stelle im ersten Kapitel der [13] Genesis, den Vers 27, die einige okkultistische Kommentatoren hat glauben lassen, dass der Mensch anfänglich als Hermaphrodit geschaffen worden sei, dass Gott sich aber danach eines anderen besonnen habe. Denn erst am Ende des zweiten Kapitels ist von der Erschaffung der Frau die Rede; nun sagt aber die Bibel, 25 Verse weiter oben, ausgeschrieben: « Gott schuf also den Menschen zu seinem Bilde; er schuf ihn männlich und weiblich zum Bilde Gottes (fr. „il le créa mâle et femelle“: die Bibel Ostervalds hat „il le créa à l’image de Dieu ; il les créa mâle et femelle“, wie das Hebräische, das von „ihn“ zu „sie“ übergeht: die Übersetzer haben nichts verfälscht; die Einzahl stammt von Voltaire, „il le fit mâle et femelle“). » Dieser Vers, buchstäblich aus dem hebräischen Text übersetzt, hat die Legende vom Androgynen Gott entstehen lassen, die in den verschiedenen okkultistischen Schulen großen Glauben findet; und andererseits haben die christlichen Übersetzer, da dieser Vers überaus peinlich ist, stets Sorge getragen, ihn zu verfälschen. Dennoch hätte man unrecht, dieser biblischen Phantasie zu viel Bedeutung beizumessen; viele andere Stellen sind noch weniger verständlich!

Sehen wir lieber, was allgemein angenommen wird.

Schon bei der Bildung des Menschen setzte Papa Lieber Gott ihn zum König der Schöpfung ein. Er ließ unverzüglich alle Tiere vor ihm Revue passieren. « Denn der Ewige Gott hatte alle Tiere der Erde und alle Vögel der Himmel gebildet; dann hatte er sie zu Adam kommen lassen, damit er sähe, wie er sie nennen würde, und damit der Name, den Adam jedem lebendigen Tier geben würde, sein Name wäre. »

9. Der Mensch lässt die Tiere Revue passieren.

9. Der Mensch lässt die Tiere Revue passieren.

Man vergegenwärtigt sich dieses Defilee; Buffon wäre zweifellos gern an Adams Stelle gewesen!

« Du sollst die Erde füllen und sie dir untertan machen, war zu Adam gesagt worden; du sollst herrschen über die Fische des Meeres, und über die Vögel der Himmel, und über jedes Tier, das sich auf der Erde regt. » Als König der Schöpfung hat der Mensch nicht immer die Oberhand, wenn er es mit einem Löwen, einem Tiger, einem Bären, einem Krokodil zu tun hat; das kann man darauf antworten. Und nicht nur verspeisen uns die wilden Tiere; sondern die Menschheit ist auch noch das Opfer von tausend unangenehmen Insekten, Flöhen, Wanzen, Skorpionen, ganz zu schweigen von den Jesuiten und anderen Schaben (fr. „cafards“: das Wort bedeutet auch die Scheinheiligen, und auf diese zielt Taxil).

10. Der Mensch, König der Schöpfung.

10. Der Mensch, König der Schöpfung.

Außerdem befahl Gott, der die wilden Tiere geschaffen hatte, die das menschliche Beefsteak auskosten, dem Menschen, Vegetarier zu sein. « Siehe: ich habe dir alles Gras gegeben, das Samen trägt und das auf der ganzen Erde ist, und jeden Baum, der in sich Baumfrucht hat, die Samen trägt; was dir zur Speise sein soll. »

Als schließlich am Abend [14] des sechsten Tages alles beendet war — oder beinahe —, erfand Papa Lieber Gott, glücklich und mehr und mehr befriedigt von seinem Werk, und vielleicht ein wenig müde, die Siesta und gab dem Menschen das Beispiel der Ruhe, indem er am siebenten Tag selbst ruhte, wie ein guter dicker Rentier (wer von seinen Renten lebt, dem Ertrag angelegten Geldes, ohne zu arbeiten; der komische Bürger jener Zeit), der das Bedürfnis verspürt, nichts mehr zu tun. (Genesis 2:2)

11. Der Herr ruht.

11. Der Herr ruht.

« Nun hatte der Ewige Gott einen Garten in Eden gepflanzt, gegen Morgen, und er hatte den Menschen darein gesetzt, den er gebildet hatte... Und ein Strom ging aus von Eden, den Garten zu wässern, und er [15] teilte sich in vier Ströme. Der Name des ersten ist Pison; das ist der, der da fließt um das ganze Land Hevila, wo man Gold findet; und das Gold dieses Landes ist gut; daselbst findet sich auch das Bdellium und der Onyxstein. Der Name des zweiten Stromes ist Gihon; das ist der, der da fließt um das ganze Land Chus. Der Name des dritten Stromes ist Tigris; das ist der, der da fließt im Lande der Assyrer. Und der vierte Strom ist der Euphrat. » (Genesis 2:8, 10-14)

[16] Indem er auf diese Einzelheiten einging, wollte der Verfasser der Genesis eine ungefähre Vorstellung von der Lage des wunderbaren Eden geben. Aber er hätte viel besser daran getan, nichts zu sagen; denn es ist unmöglich, sich törichter bei einer Gaskonade (Prahlerei, nach dem Ruf von Aufschneidern, den man den Gascognern anhängte) auf frischer Tat ertappen zu lassen.

Alle Kommentatoren stimmen nämlich darin überein, dass der Pison der Phasis ist, später Araxes genannt, ein Strom Mingreliens, der seine Quelle in einem der unzugänglichsten Zweige des Kaukasus hat, und, wenn es in dieser Gegend Gold und Onyx gibt, so hat dagegen niemand je entdecken können, was unter Bdellium zu verstehen war. Zudem kann es über den dritten und vierten Strom, den Tigris und den Euphrat, keinerlei Irrtum geben; woraus klar hervorgeht, dass sich nach der Genesis die Stätte des irdischen Paradieses in Asien befunden hätte, in der Gegend des Ararat-Massivs, in Armenien, obwohl (erster Schnitzer des heiligen Verfassers) Araxes, Tigris und Euphrat ihre Quellen zwar relativ benachbart, aber vollkommen getrennt haben. Der Araxes zweigt nicht etwa von einem anderen Strom ab, sondern entspringt dem Vulkan Bingol-Dagh, von wo er zum Kaspischen Meer fließt. Was den Tigris und den Euphrat betrifft, so kommen sie nicht nur nicht aus ein und demselben Strom, sondern sie vereinigen sich im Gegenteil bei Korna, um den Schatt-el-Arab zu bilden und sich in den Persischen Golf zu ergießen.

Beim zweiten Strom, den die Genesis Gihon nennt, ist der Schnitzer des heiligen Verfassers phantastisch. « Das ist, sagt er, der Strom des Landes Chus. » Nun ist nach der Fassung der Septuaginta und sogar der Vulgata das Land Chus (Sohn Hams und Vater Nimrods) nichts anderes als Äthiopien; folglich ist dieser Gihon der Nil, der nicht in Asien, sondern in Afrika fließt, und zwar genau in entgegengesetzter Richtung zum Araxes, zum Tigris und zum Euphrat, da der große afrikanische Strom im Ganzen von Süden nach Norden fließt. Wenn man die Quelle des Nils an den Victoria-Nyanza verlegt, wie man es annimmt, um nicht weiter hinaufzugehen, so liegen also mindestens achtzehnhundert (der Text von 1904 hat „dix-huits cents“) Meilen zwischen den Quellen des ersten und des zweiten Stromes, die nach der Genesis denselben Garten Eden wässern! Freilich haben die beiden anderen ihre Quellen nur sechzig Meilen voneinander entfernt; was für einen Garten schon [17] nett ist. Außerdem: Ist das ein Garten, dieses ungeheure Gebiet, starrend von den steilsten Gipfeln, gebildet aus einer der unwegsamsten Gegenden des Erdballs?...

Schließlich der dritte Schnitzer, und man könnte diesen nennen: den Schnitzer der Ohrenspitze (fr. „la bévue du bout de l’oreille“: der Fehler, der seinen Urheber verrät; nach „montrer le bout de l’oreille“, die Ohrenspitze zeigen, wie der Esel in der Löwenhaut, den bei La Fontaine sein Ohr verriet).

Die Priester behaupten bekanntlich, das Werk des Mose sei der Pentateuch, das heißt die fünf ersten Bücher der Bibel: Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium. Aber die Gelehrten haben die Gottlosigkeit gehabt, Forschungen anzustellen, und sie sind allgemein der Meinung, dass Esra diese Bücher bei der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft, im Laufe des fünften Jahrhunderts vor Christus, fabriziert hat, während Mose, vorausgesetzt, dass er existiert hat, und wenn man die Daten, die ihn betreffen, einen Augenblick als echt annimmt, tausend Jahre früher lebte: Geburt im Lande Gosen, in Ägypten, 1571 vor unserer Zeitrechnung, und Tod in Arabien, auf dem Berg Nebo, 1451.

Bossuet hat sich über die Arbeiten von Hobbes, von Spinoza und von Richard Simon gegen die Echtheit der Werke des Mose entrüstet; zu sagen, dass der wahre Verfasser des Pentateuchs Esra ist, heißt Gott lästern, dem ungestümen Bischof zufolge: « Was kann man, ruft er aus (Abhandlung über die Weltgeschichte), gegen eine Überlieferung von dreitausend Jahren einwenden, gestützt durch ihre eigenen Kräfte und durch die Folge der Dinge? Nichts Zusammenhängendes, nichts Positives, nichts Wichtiges! »

Möge es Bossuet nicht missfallen (fr. „N’en déplaise à Bossuet“, eine Redewendung: die höfliche Formel, die man unmittelbar vor einem Widerspruch setzt), der Vers 14 des Kapitels 2 der Genesis liefert, unter anderen Beispielen, einen eklatanten Beweis für die literarische und religiöse Täuschung und zeigt, deutlich wie zwei und zwei vier machen, dass die vorerwähnte Genesis nicht von Mose geschrieben worden sein kann. In eben diesem Vers heißt es: « Der Name des dritten Stromes ist Tigris; das ist der, der da fließt im Lande der Assyrer (fr. „au pays des Assyriens“: die vier Wörter, die Taxil zählt; die Bibel Ostervalds hat „vers l’Orient de l’Assyrie“, gegen Morgen von Assyrien; bei Luther steht „vor Assyrien“). » (Genesis 2:14) Das steht da ausgeschrieben. Einige Übersetzer haben die vier letzten Wörter ersetzt durch: « gegen Morgen von Assyrien »; aber das ändert nichts. Die Frage ist diese: Mose, gestorben 1451 vor Christus, konnte die Ausdrücke Assyrien, Assyrer nicht gebrauchen, aus dem einfachen Grund, dass das assyrische Reich, das sich zugleich über Ninive und Babylon erstreckte und das bis zum achten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung dauerte, um 1300 zu existieren begann, [18] allerhöchstens. Die Zeugnisse Herodots und des Chaldäers Berossos stimmen in diesem Punkt überein und sind durch die Denkmäler bestätigt worden.

Die wichtigen Entdeckungen, die seit dem Beginn unseres Jahrhunderts mit Hilfe der Inschriften in Hieroglyphen und Keilschrift in der Geschichte der Völker des alten Orients gemacht worden sind, erlauben es heute nicht mehr, selbst in den elementarsten Büchern die [19] biblischen Eseleien über diesen ersten Teil der Annalen des Menschengeschlechts neu aufzulegen. Die Ergebnisse, erzielt von den Champollion, den de Rougé, den de Saulcy, den Mariette, den Oppert, den Rawlinson, den Lepsius, den Brugsch usw., erhellen die alte Geschichte mit einem ungleich sichereren Licht als die Überlieferungen, die der Fopper Esra zusammengetragen hat.

Es steht fest, dass der Gründer des assyrischen Reiches ein Fürst war, auf den Denkmälern Ninippaloukin genannt, welcher [20] hundertfünfzig Jahre nach Mose lebte. Zudem wurde die Gegend, die man Assyrien nannte, zur Zeit des Mose mit dem Namen Reich der Rotennou bezeichnet, wie sich das aus den ägyptischen Denkmälern ergibt, die von Oppert und anderen Gelehrten erwähnt werden; wir sehen nämlich in verschiedenen ägyptischen Inschriften, dass die Könige der achtzehnten Dynastie Ägyptens, Zeitgenossen des Mose, ihre Waffen nach Babylonien trugen und sich von den Rotennou, die in Mesopotamien herrschten, eben im Lande des Tigris und des Euphrat, Tribute zahlen ließen. Wenn Mose der wahre Verfasser der Genesis wäre, so hätte er also geschrieben: « der Tigris, ein Strom, der da fließt im Lande der Rotennou. »

Freilich können uns die Tonsurierten immer antworten: — Der wahre Verfasser der Genesis ist ebenso wenig Esra wie Mose; es ist der Heilige Geist! Erwähnte die Bibel folglich sogar Sankt Petersburg und New York, so sollte uns das nicht unlogisch erscheinen und könnte uns durchaus nicht überraschen.

Verneigen wir uns also, und fahren wir mit einem fröhlichen Lachen in der heiligen Erzählung fort; denn dieser erbaulichen Genesis fehlt es wirklich nicht an Heiterkeit.

Wenn der Leser einverstanden ist, wollen wir uns in Gedanken in diesen wunderbaren Garten Eden versetzen, wo vier große Ströme, die einem einzigen Brunnen entspringen, ihre Wasser wälzen. Es ist uns, als sähen wir Adam, wie er in seinem Besitztum spazieren geht und sich den Wonnen des Farniente hingibt.

So könnte sein Monolog lauten:

« — Ich bin der Mensch, und mein Name ist Adam; was, wie es scheint, « rote Erde » bedeutet, da ich aus Ton fabriziert worden bin, wie eine gewöhnliche Töpferware... Wie alt bin ich?... Ich bin vor fünf Tagen geboren; aber nach einem alten Sprichwort ist man so alt, wie man aussieht. Und darum kann ich sagen, dass ich in Wirklichkeit im Alter von achtundzwanzig Jahren geboren bin, mit allen meinen Zähnen... Nein; nicht mit allen meinen Zähnen... Mir fehlen noch die Weisheitszähne...

Sehr gut gebaut, he?... Freilich! (fr. „Dame !“, ein Ausruf: der Rest eines alten Fluchs, „Notre-Dame !“, Unsere Liebe Frau, oder, nach Littré, „dame Dieu“, Herr Gott; zu Taxils Zeit war es kein Fluch mehr) wie könnte ich kein schönes Individuum sein, da ich, bis auf das Alter und den Bart, die getreue Kopie des Herrn Jehova bin, des am verblüffendsten (fr. „épatamment“, ein umgangssprachliches Wort, von „épater“, sprachlos machen) schicken Wesens, das im Universum existiert?... Sehen Sie mir [21] diese Gesundheit an, diese robusten Arme, diese Kniekehlen aus Stahl, Nerven zum Weiterverkaufen, und dazu den frischen Teint... Nicht der geringste Rheumatismus... Ich sage verflixt (fr. „zut“, ein Ausruf des Ärgers oder der Weigerung; wer ihn zu den Krankheiten sagt, pfeift auf sie) zu den Krankheiten... Ich brauche nicht einmal die Blattern zu fürchten; Papa Lieber Gott hat mich fertig geimpft fabriziert... Und so, wie ich mich selbst hinunterschlinge (fr. „ce que je me gobe“, eine Argot-Redewendung: wie sehr ich mir gefalle; „gober“, hinunterschlingen, hieß auch, jemanden über die Maßen schätzen)!... und ich habe nicht unrecht...

Ich lasse mir das Leben sanft dahinfließen (fr. „je me la coule douce“, eine umgangssprachliche Redewendung: ich lebe bequem und ohne Sorgen), in dieser charmanten Wohnstatt... kein Concierge... nicht einmal ein Domestik... Das nenne ich ein glückliches Leben!... Ich gehe, ich komme, ich pflücke Früchte, alle saftig, und ich stopfe mich damit voll nach meiner verwünschten Laune und trotze dabei ohne Gefahr dem Durchfall... Ich verspüre keinerlei Müdigkeit, so lang meine Spaziergänge auch sein mögen; wenn ich mich ins Gras lege, dann zu meinem Vergnügen...

Neulich hat mir der liebenswerte Herr Jehova eine Zerstreuung geboten, an die ich mein ganzes Leben lang die fröhliche Erinnerung bewahren werde... Alle Tiere der Schöpfung sind vor mir vorübergezogen: « Der Name, den du jedem lebendigen Tier geben wirst, soll sein Name sein », hat mir der alte Ewige Vater gesagt... Als Aufmerksamkeit war das wirklich nett!...

Es ist unerhört, was da an Tieren vorbeidefiliert ist!... Ich hätte nie geglaubt, dass es so viele lebendige Wesen gäbe... Ich bin nicht in Verlegenheit gewesen, als ich ihnen meine Namen austeilte; denn die Sprache, die ich ohne Schwierigkeit spreche, und ohne je zur Schule gegangen zu sein, ist eine Sprache von außerordentlichem Reichtum, von einer Fülle an Ausdrücken, von der man sich unmöglich eine Vorstellung machen kann... So kannte ich, ohne suchen zu müssen, augenblicklich alles, was jedem Tier eigen ist, nur indem ich es ansah, und durch ein einziges Wort drückte ich alle Eigenschaften jeder Art aus, so dass jeder von mir gegebene Name zugleich eine vollständige und vollkommene Definition ist... Nehmen wir zum Beispiel das Tier, das man später equus auf Lateinisch, cheval auf Französisch, horse auf Englisch usw. nennen wird. Nun, ich habe ihm einen Namen angehängt, der diesen Vierfüßer ausdrückt mit seiner Mähne, seinem Schweif, seinem Hals, seiner Schnelligkeit, seiner Kraft... Und der Vogel, den man in den künftigen Jahrhunderten bulbo auf Lateinisch (das lateinische Wort lautet „bubo“), hibou auf Französisch, owl auf Englisch usw. nennen wird, alle diese kommenden Namen werden nicht so viel wert sein wie der, den ich ersonnen habe und der den nächtlichen Raubvogel kennzeichnet, mit seinen zwei beweglichen Federbüscheln auf der Stirn, seinem kurzen und gekrümmten Schnabel, seinem dicken Kopf mit den großen runden Augen, umgeben von einem vollständigen Kreis [22] steifer Federn, seinen bis zu den Krallen ganz mit Federn besetzten Beinen, sowie seiner scheuen und ungezähmten Lebensart, seinem eintönigen und schaurigen Schrei, seinem Abscheu vor dem Licht... Und so weiter, für alle lebendigen Tiere... Ah! sie ist ohnegleichen, die Sprache, die ich spreche, und wie traurig ist es, zu denken, dass sie eines Tages gänzlich und für immer verloren sein wird!... Dieser Gedanke ist mein einziger Kummer... Drängen wir ihn recht schnell zurück, und machen wir uns keinerlei Sorgen.

[23] Oh! diese allgemeine Revue aller lebendigen Tiere, die war großartig... Dabei sagt großartig noch nicht alles; denn wir hatten einen schnurrigen Teil im Programm des Festes: das war die Ankunft der Fische... Denken Sie doch! dieser Garten liegt mitten im Kontinent, keine Meeresufer, nichts als Ströme, das heißt Süßwasser... Da können Sie sich die Grimasse vorstellen, die die Meeresfische machten, als sie den Tigris und den Euphrat hinaufschwammen, um zu mir zu kommen; sie [24] waren nicht mehr in ihrem gewohnten Salzwasser, und das ärgerte sie!... Wahrhaftig, es war zum Krümmen vor Lachen... Und die dicken Waltiere, die waren erst beengt!... Glücklicherweise hat Papa Lieber Gott ausnahmsweise für diesen Tag die Ströme meines Gartens verbreitert; ohne das hätten die verschiedenen Arten von Walfischen nie durchkommen können... Sobald ich ihnen ihren Namen gegeben hatte, hätte man sie sehen müssen, wie sie zurückschnellten und mit großen Flossenschlägen davonstürzten, um so rasch wie möglich ihren Ozean wieder zu erreichen... Ich lache noch darüber!...

Vielleicht wird es Leute geben, die diese Geschichte nicht glauben werden... Die Gottlosen werden leugnen, dass Robben vom Nordpol bis nach Armenien hätten kommen können, in die oberen Gewässer des Tigris und des Euphrat, und das an einem einzigen Reisetag, indem sie den ganzen Atlantik hinabschwammen und ganz um Afrika herumzogen; sie werden sagen, dass diese interessanten Meeressäugetiere, Bewohner des Eismeers, ihr Element nicht hätten wechseln können, ohne daran zu sterben... Eh! was liegt an der Kritik!... Mein Ehrenwort, ich habe hier, in diesem Garten Eden, bei dieser Gelegenheit, Robben und Walfische gesehen, und ich füge hinzu, dass die Robben, ganz zufrieden, von mir einen Namen erhalten zu haben, sich bei mir bedankt haben, indem sie Papa! Mama! sagten...

Die spitzfindigen Geister werden einwenden: « Und die Fische der Seen, auf welchem Weg sind sie gekommen?... » Will man anspielen auf den Lavaret (der Lavaret und die Féra sind zwei Felchenarten der Alpenseen, des Lac du Bourget und des Léman, des Genfer Sees), diesen köstlichen Fisch des Lac du Bourget, von dem die Einwohner von Aix-les-Bains wie von einem Ruhmestitel sprechen?... Und die Féra, die ausschließlich im Lac Léman lebt, die sofort stirbt, sobald sie in ein anderes Wasser gesetzt wird, selbst in süßes, die nicht einmal in der Rhone leben kann, diesseits oder jenseits des Léman?... Man wisse es also: der Lavaret und die Féra haben eine besondere Erlaubnis von Gott erhalten; diese beiden Fische der Seen sind auf dem Luftweg gekommen, um mir in Eden einen Besuch abzustatten... Und da haben wir’s! Anathema den Irrgläubigen, die sich mit dieser Erklärung nicht zufriedengeben werden!...

Und dann, beim Blut des Blauen (fr. „palsambleu“, ein Fluch: „par le sang de Dieu“, beim Blut Gottes, zusammengezogen, und „bleu“, blau, nur des Anklangs wegen an die Stelle von „Dieu“ gesetzt; so flucht man, ohne Gott zu nennen)! ich bin recht gütig, diese Dinge zu diskutieren... Umso schlimmer für den, der mir nicht glauben wird, wenn ich versichere, dass ich alle lebendigen Tiere gesehen habe, Wirbeltiere, Ringeltiere, Weichtiere, und Pflanzentiere!... Es gibt nicht ein einziges Insekt, dem ich nicht einen Namen gegeben habe... Aber der, der mich am meisten in Staunen versetzt hat, das ist ein großer weißer Wurm, lang, platt, der ganz [25] sachte aus mir selbst herausgekommen ist, ein garstiger Wurm, den die künftigen Naturforscher Bandwurm oder einsamen Wurm des Menschen nennen werden, und der weder dem Bandwurm der Schweine noch dem Bandwurm der Schafe gleicht; dieser große Teufel von einem menschlichen Wurm hat mir gleich bei seinem Austritt eine tiefe Reverenz gemacht; ich habe ihm einen Namen gegeben; worauf er sich durch meinen After wieder bei mir hineingeschlängelt und in meinem Individuum wieder Domizil genommen hat... Wenn ich davon spreche, dann, um nichts auszulassen; denn ich wusste mich nicht bewohnt. Abgesehen davon inkommodiert mich mein Mieter in keiner Weise... Nichts stört dieses Cocagne-Leben (fr. „vie de cocagne“, eine Redewendung: ein Leben in Überfluss und Müßiggang, nach dem „pays de cocagne“, wo alles ohne Arbeit kommt, dem französischen Schlaraffenland), das ich seit fünf Tagen führe... »

Adam spiegelt sich in der lauteren Flut des Brunnens, der Quelle der vier großen Ströme; dann erblickt er einen Rasen und streckt sich lässig darauf aus.

— Ah! wie gut lebt es sich so! murmelt er.

Aber da gähnt er... er reckt sich... eine unbekannte Mattigkeit bemächtigt sich seiner nach und nach... Das ist ja etwas Neues!... Er empfindet doch keinerlei Müdigkeit... Was bedeutet das?...

Er versteht nichts davon. Er unterliegt dem geheimnisvollen Einfluss, dem unwiderstehlichen. Seine Lider schließen sich. Adam schläft. Es ist der erste Schlaf des Menschen.

12. Erster Schlaf des Menschen.

12. Erster Schlaf des Menschen.

Während nun Adam schnarcht wie ein deutscher Kreisel (fr. „ronfle comme une toupie d’Allemagne“: „ronfler“ heißt schnarchen und auch brummen; der deutsche Kreisel ist der hohle Brummkreisel), steigt Papa Lieber Gott auf die Erde herab.

Zunächst lässt er seine Blicke recht lange auf dem Schläfer ruhen.

— Immerhin, ich arbeite gut, wenn ich mich daranmache! sagt er mit Befriedigung. Der Bursche ist mächtig gebaut; man würde schwören, dass ich es bin... als ich einige Milliarden Jahrhunderte weniger hatte.

Er bückt sich und kneift ihn ins Fleischige der Wade. Auf diesen göttlichen Schabernack antwortet Adam mit einem noch sonoreren Schnarcher als die vorhergehenden.

— Vortrefflich! fährt Meister Elohim fort; ich werde kein Betäubungsmittel brauchen, um den Erfolg meiner Talente als Chirurg zu sichern... Ich sehe, dass der Schlaf, den ich meinem teuren jungen Adam geschickt habe, von der allerbesten Beschaffenheit war; man könnte neben ihm die Kanone abfeuern, und er würde nicht aufwachen... Jetzt gilt es, mich ans Werk zu machen; denn ich bin für eine Operation ersten Ranges hierhergekommen... Während mich niemand [26] hört, kann ich wohl ein Geständnis ablegen: ich habe heute Morgen bemerkt, dass es Augenblicke gibt, in denen ich ein wenig tolpatschig bin. Wo hatte ich zum Beispiel den Kopf, als ich den Menschen ohne Gefährtin schuf?... Ich habe jedem Tier ein Weibchen gegeben; wenigstens gibt es nur wenige Ausnahmen von dieser Regel. Den einsamen Wurm (fr. „ver solitaire“, der gewöhnliche französische Name des Bandwurms) habe ich als Hermaphroditen geschaffen, und das versteht sich, denn wenn er paarweise in den Gedärmen ginge, in denen er wohnt, wäre er kein einsamer Wurm mehr... Aber der Mensch ist kein Bandwurm, Name einer Pfeife!...

[27] Ich muss ihm also eine Gefährtin fabrizieren, und ich habe beschlossen, sie ihm aus seinem Fleisch zu machen...

Papa Lieber Gott ging einen Augenblick lang um Adam herum; er betastete ihn und äußerte dabei laut seine Überlegungen.

— Ich habe den Tauber in dieser Sache konsultiert, fuhr er fort, und ich habe gut daran getan, denn er ist gerissener als ich... Mein erster Gedanke war gewesen, dem lieben Adam ein Hühnerauge abzuschneiden und daraus eine kleine Frau zu kneten... Der Tauber hat mir nicht zugestimmt; er hat gemeint, [28] dass ein Hühnerauge zu gewöhnlich wäre und dass die Gottlosen darin einen Vorwand finden könnten, zu sagen, die Frau sei von niedriger Extraktion... Die Schlussfolgerung ist, dass ich mit einer Rippe das zweite menschliche Geschöpf fabrizieren werde... Wohlan! jetzt ist der Moment, jetzt ist der Augenblick; seien wir prompt und geschickt wie ein Zahnarzt, der bei seiner zwanzigtausendsten Operation angelangt ist.

Und Papa Lieber Gott, dies sagend, « riss Adam eine seiner Rippen heraus, und er zog das Fleisch an der Stelle wieder zusammen. » (Genesis 2:21) « Und der Ewige Gott baute die Rippe, die er von Adam genommen hatte, zu einem Weibe. » (Genesis 2:22)

13. Erschaffung der Frau.

13. Erschaffung der Frau.

Ich höre den Schrei des Menschen, der aus dem Schlaf auffährt:

— Au! au!... Oh! là là!... Man hat mir soeben eines meiner Beefsteaks weggenommen!

Und seine Überraschung beim Anblick der hübschen lebenden Puppe:

— Was is’n das? (fr. „Qué qu’c’est qu’ça ?“: „Qu’est-ce que c’est que ça ?“ in der nachlässigen Pariser Aussprache)

— Das? das ist deine Frau, und ich stelle sie dir vor, antwortet Jehova... Wage es zu sagen, dass ich dir da kein angenehmes Präsent mache!...

— Tatsache ist, dass sie nett ist...

— Man könnte sie aufessen... Glückspilz, du! (fr. „Veinard, va !“, ein umgangssprachlicher Ausruf: „veinard“ kommt von „veine“, der Ader im Gestein, dann dem Glück; „va !“, wörtlich „geh!“, verstärkt nur)... Und keine Schwiegermutter!... Du kannst dich rühmen, alles Glück zu haben, mein Junge.

Die Bibel erzählt, dass Adam ausrief: « Diese ist diesmal Bein von meinen Beinen und Fleisch von meinem Fleisch. Man wird sie Männin (fr. „hommesse“, das Wort der Bibel Ostervalds: eine weibliche Form von „homme“, Mann, wie Luthers eigenes „Männin“ an dieser Stelle von „Mann“; der hebräische Text tut dasselbe, „ischscha“ von „isch“) nennen, denn sie ist vom Manne genommen. Darum wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen, und er wird sich seinem Weibe zugesellen, und sie werden so ein Fleisch sein. » (Genesis 2:23-24)

Unnötig, diesen Ausruf Adams, des Neuvermählten, zu kommentieren. Ah! in welch galante Worte diese Dinge da gefasst sind (fr. „qu’en termes galants ces choses-là sont mises“, eine Redensart; ein Vers aus Molières „Le Misanthrope“, mit dem Philinte ein schlechtes Sonett lobt)?...

Was die weggenommene Rippe angeht, so ist es gut, daran zu erinnern, dass Gott sie nach der Ansicht des heiligen Augustinus Adam nicht zurückgab. Folglich lebte Adam so mit einer Rippe weniger. « Es war anscheinend eine seiner falschen Rippen, hat Voltaire bemerkt; denn das Fehlen einer der Hauptrippen wäre zu gefährlich gewesen. »

Die Genesis sagt uns noch (Genesis 2:25): « Nun waren Adam und sein Weib alle beide nackt, und sie schämten sich dessen nicht. » Die frommen Kommentatoren versichern, dass diese Nacktheit [29] ohne jede Scham ein Beweis der Unschuld unserer ersten Eltern ist; hätten sie immer bei dem Gedanken verharrt, dass es keine Unkeuschheit ist, ganz nackt umherzugehen, so wäre das das Kennzeichen einer beharrlichen Vollkommenheit gewesen. Nach dieser biblischen Beweisführung könnte man also die wilden Völkerschaften, die kein Kleidungsstück tragen, als im Zustand der Vollkommenheit lebend ansehen, und es gibt deren noch: dennoch haben bei der Entdeckung Amerikas die fanatischen spanischen Katholiken eingeborene Völkerschaften, die in schöner Unschuld lebten, in Massen niedergemetzelt, und die Priester segneten die Niedermetzler. Zudem hat man bemerkt, dass es die Kälte war, die die Kleider erfinden ließ; denn die nackten Völker sind die, welche in den heißesten Gegenden leben. Außerdem schämt sich niemand, nackt zu sein, wenn alle Welt es ist: man errötet nur aus Eitelkeit; man fürchtet, eine Missbildung zu zeigen, die die anderen nicht haben.

Kommen wir zur großen Affäre, zu dem erstaunlichen Abenteuer, das, ach! dem Glück Adams und seiner Gattin ein Ende machte.

« Der Ewige Gott hatte aus der Erde jeglichen Baum sprießen lassen, der begehrenswert anzusehen ist und Frucht trägt, gut zu essen; und er hatte den Baum des Lebens mitten in den Garten Eden gesetzt, und den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. » (Genesis 2:9)

« Der Ewige Gott hatte zu dem Menschen mit Gebot geredet und zu ihm gesprochen: Du sollst frei essen von jeglichem Baum des Gartens. Jedoch was den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen angeht, so sollst du nicht davon essen; denn an demselben Tage, da du davon gegessen hast, wirst du ganz gewiss des Todes sterben. » (Genesis 2:16-17)

14. Die verbotene Frucht.

14. Die verbotene Frucht.

Es ist gut, zunächst zu bemerken, dass die Priester unter dem Vorwand, die Bibel zusammenzufassen, zum Gebrauch der Gläubigen gewisse kleine Handbücher mit dem Titel Heilige Geschichte verfasst haben, in denen sie Sorge tragen, die Stellen der göttlichen Schrift, die sie zu sehr genieren, mit Stillschweigen zu übergehen. So spricht man im Allgemeinen zu den Gläubigen nur von dem berühmten Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen; wir werden gleich sehen, warum die Priester kein Wort vom Baum des Lebens verlauten lassen, der von dem anderen Baum vollkommen verschieden ist; wir werden den Vers 22 des Kapitels 3 wiedergeben, der in den Büchern, die man den naiven Andächtigen gibt, immer ausgelassen wird.

Für den Augenblick beschäftigen wir uns nur mit dem Baum, dessen [30] Frucht den Fall des Menschen verursachte. Erinnern wir daran, dass der Kaiser Julian der Philosoph, dessen Andenken von den Kirchenleuten so verabscheut wird, über diesen wunderbaren Baum einige Bemerkungen voll gesunden Menschenverstandes anstellte. Es scheint uns, schrieb er, dass der Herr Gott im Gegenteil dem Menschen, seinem Geschöpf, hätte befehlen sollen, viel von diesem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen zu essen; dass Gott ihm nicht nur einen denkenden Kopf gegeben hatte, den man notwendig [31] unterrichten musste, sondern dass es noch unerlässlicher war, ihn das Gute und das Böse kennen zu lehren, damit er seine Pflichten erfülle; dass das Verbot tyrannisch und absurd war; dass es hundertmal schlimmer war, als wenn man ihm einen Magen gemacht hätte, um ihn am Essen zu hindern.

Eine andere Überlegung, deren man sich nicht erwehren kann, ist, dass der Ausgangspunkt des Geschichtchens beweist, dass der Herr Jehova einen Hintergedanken hatte und dass es ihm [32] sehr lieb war, dass der Mensch sündigte. Alles in allem wäre Adam berechtigt gewesen, ihm zu sagen:

— Mein Väterchen Elohim, wenn ich mich nicht irre, ist das Gute das, was moralisch gut ist, was Ihnen gefällt, und das Böse dagegen ist das, was schlecht ist, was Ihnen missfällt... Ist das richtig so?

— Vollkommen richtig, mein Söhnchen, hätte der Schöpfer geantwortet.

— Folglich, hätte Adam fortgefahren, lassen Sie mich lernen, worin das Böse besteht, damit ich es vermeide; oder aber warum haben Sie diesen Baum hierher gesetzt, wenn ich ihn nicht anrühren darf?...

Es sind die Pfarrer (fr. „curés“: der Priester einer Pfarrei, der, dem man begegnet), die die Erwiderung übernehmen, an Stelle ihres drolligen Lieben Gottes.

— Gott, sagen sie, legte der werdenden Menschheit eine Prüfung auf; er wollte sehen, ob Adam ihm gehorchen würde, wo er doch von ihm nur eine einzige und sehr kleine Entbehrung verlangte.

Aber es ist leicht, auf die Erwiderung zu erwidern. Nach den Pfarrern selbst kennt Gott die Zukunft: er hatte also vorhergesehen, was geschehen würde; und da nichts ohne seinen Willen geschieht, wusste er ganz genau, dass der Mensch von der Frucht des fraglichen Baumes essen würde. Er wollte also den Fall unserer ersten Eltern, das unterliegt keinem Zweifel.

Übrigens wendet sich der ganze weitere Verlauf der Geschichte gegen den Herrn Jehova.

Sehen wir, wie sich die Dinge nach Kapitel 3 der Genesis zutrugen:

« 1. Nun war die Schlange das listigste von allen Tieren der Erde, die der Ewige Gott gemacht hatte; und sie sprach zu dem Weibe: Was! Sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von jeglichem Baum des Gartens?

2. Und das Weib antwortete der Schlange: Wir essen von der Frucht der Bäume des Gartens;

3. Aber was die Frucht des Baumes betrifft, der mitten im Garten ist, so hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt sie nicht anrühren, auf dass ihr nicht sterbet.

15. Eva, von der Schlange versucht.

15. Eva, von der Schlange versucht.

4. Da sprach die Schlange zu dem Weibe: Ihr werdet keineswegs sterben;

5. Sondern Gott weiß, dass an dem Tage, da ihr davon esset, eure Augen aufgetan werden, und ihr werdet sein wie die Götter und das Gute und das Böse erkennen.

6. [33] Das Weib sah also, dass die Frucht dieses Baumes gut zu essen und von angenehmem Ansehen war, und dass dieser Baum begehrenswert war, um Erkenntnis zu geben; und sie nahm von der Frucht und aß davon; und sie gab auch ihrem Manne davon, ihn mit sich ziehend; und er aß davon. »

16. Ungehorsam Adams und Evas.

16. Ungehorsam Adams und Evas.

Was in dieser Erzählung zuallererst auffällt, ist, dass die Rede der Schlange, ihre Unterhaltung mit der Frau, die bloße Tatsache des Sprechens, des Sich-Ausdrückens in derselben Sprache wie unsere ersten Eltern, vom heiligen Verfasser weder als eine übernatürliche, mirakulöse Sache noch als eine Allegorie hingestellt wird. Was die Genesis vorführt, ist sehr wohl die Schlange selbst; es ist dieses Reptil, das die Rolle eines Tieres voll Tücke und Verschlagenheit spielt und sich zum Versucher der Frau macht, mit einer Zungenfertigkeit, um die ein Papagei es beneiden würde.

Die Schlange ist so persönlich in Szene gesetzt worden, dass seither die Pfarrer, die die so erzählte Episode unwahrscheinlich fanden, es für nötig gehalten haben, daran eine Korrektur vorzunehmen, die alles ändert, die aber im Widerspruch zum ganzen Text dieses Kapitels der Bibel steht. Nach den Korrektoren, die ebenso schlau wie fromm sind, wäre es der Teufel, der die Gestalt der Schlange angenommen und durch diesen Winkelzug Madame Adam versucht hätte; das ist die Art, wie die Priester die Sache arrangiert haben, das ist ihre heutige Lehre.

Dieses Arrangement ist eine wahre Fälschung der Genesis. Erstens gibt kein Wort des heiligen Textes zu einer solchen Auslegung Anlass. Zweitens gibt es unter den verschiedenen Verfassern der Bücher, aus denen die Bibel besteht, im Ganzen zwei, die den Teufel erwähnt haben: der Verfasser des Buches Hiob, nach dem der Teufel eines schönen Tages mit Gott im Himmel diskutiert: und der Verfasser des Buches Tobias, der einen gewissen Dämon Asmodi anführt, der in eine Frau namens Sara verliebt ist und ihr nacheinander sieben Ehemänner erwürgt. Nun kommen diese beiden Bücher ganz am Ende der Bibel, und weder in diesen noch in den anderen ist von dem Luzifer-Satan die Rede, den die Katholiken bei jeder Gelegenheit auftreten lassen, um das Interesse ihrer Legenden zu würzen. Nirgends findet man jenes doch so bekannte Abenteuer Luzifers, der sich gegen Gott empört und vom Erzengel Michael besiegt wird. Das ist, wie alles, was sich auf den Teufel bezieht, nachträglich erfunden worden, nicht [34] nur lange nach Mose, sondern sogar nach Esra.

Zudem haben sich gewisse fröhliche Kommentatoren, in Wirklichkeit skeptische Philosophen, damit amüsiert, den berühmten Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen in einen Apfelbaum von etwas schlüpfriger Symbolik zu verwandeln; und sie haben angenommen, dass diese Episode mit verhüllten Worten bedeutet, dass Madame Adam, die die Liebe nicht kannte, die erste Lektion darin von einem verführerischen [35] Teufel empfing, der für den Anlass in eine Schlange metamorphosiert war...

Aber während man über diesen Scherz lacht, der als Auslegung so viel wert ist wie jede andere, muss man ihn in denselben Korb legen wie die von den Pfarrern ersonnene Textfälschung. Wir müssen die Bibel nehmen, wie sie ist, wenn wir sie ernsthaft prüfen wollen: so ist es in dem Geschichtchen, mit dem wir uns in diesem Augenblick beschäftigen, sehr wohl das Schlange genannte Tier, um das es sich handelt, und nicht irgendein [36] Teufel, da die Juden vor der Zeit, in der die Bücher Hiob und Tobias geschrieben wurden, keine Teufel in ihrer Mythologie hatten; und was die amourösen Andeutungen betrifft, die man der versuchenden Schlange grundlos unterstellt, so ist es offensichtlich, dass es unmöglich ist, sie im Text der Genesis zu entdecken, wenn man ihn vor Augen hat.

Es ist wirklich die Schlange allein, persönlich, um die es sich handelt; denn der heilige Verfasser sieht dieses Tier mit den Augen aller seiner Zeitgenossen der verschiedenen Religionen. Die Schlange galt im Altertum nämlich als ein sehr listiges, sehr intelligentes und mit Tücke erfülltes Tier. Mehrere afrikanische Völker beteten sie an. Auf der anderen Seite ist der Fall dieser sprechenden Schlange, ein Fall, aus dem die Genesis kein Wunder macht, in der orientalischen Literatur etwas Gewöhnliches; alle in Asien ausgeschlüpften Mythologien sind voll von sprechenden Tieren; bei den Chaldäern streckte der Fisch Oannes jeden Tag seinen Kopf aus den Wassern des Euphrat, und ganze Stunden lang predigte er dem an die Ufer herbeigeeilten Volk, gab gute Ratschläge, lehrte zugleich Poesie und Ackerbau. Diese Zeiten, in denen die Tiere die Sprache hatten, liegen weit zurück; aber keine Religion des Orients hatte darauf das Monopol. Die biblische Schlange sprach also, ohne dass ein Teufelchen in ihr zu wohnen brauchte.

Übrigens war die Schlange bei diesem Anlass weniger listig, als es scheint. Die Flunkereien der Heiligen Schrift sind von einer außerordentlichen Naivität und platzen vor Widersprüchen. So hat man gefragt, was die Schlange sagen wollte mit: « Ihr werdet sein wie die Götter. » Dieser Ausdruck, der die Vielheit der Götter bejaht, findet sich nicht allein an dieser Stelle der Genesis; wir werden weiter unten sehen, dass der Herr Jehova, wenn er selbst spricht, sich nicht als den einzigen Gott betrachtet. Die katholischen Kommentatoren, durch diesen Satz der Schlange in Verlegenheit gebracht, haben behauptet, dass das Reptil mit den Göttern die Engel gemeint haben müsse. Man hat ihnen geantwortet, dass eine Schlange die Engel nicht kennen konnte; aber aus demselben Grund konnte sie die Götter nicht kennen. Naivität, Widerspruch, Galimathias; das ist so recht die Bibel.

Nein, nicht gar so listig, diese Schlange!... Ihre Ratschläge waren überaus (der Text von 1904 hat „forts incomplets“) unvollständig. Eine wirklich gerissene Schlange hätte zu der Frau gesagt: — Iss zunächst von der verbotenen Frucht, und dann [37] alsbald danach versäume nicht, von der Frucht des Baumes des Lebens zu essen, die dir übrigens erlaubt ist.

Und war nicht Jehova die erste Ursache der Versuchung? Warum hatte er der Schlange die Sprache gegeben? Ohne diese Gabe hätte sie sich der Frau niemals verständlich machen können.

Die Bibel teilt uns die Unterhaltung nicht mit, in deren Verlauf Madame Adam ihren Mann dazu bestimmte, mit ihr von der verbotenen Frucht zu essen. Glücklicherweise ist es leicht, diese Lücke des heiligen Verfassers auszufüllen.

Wir sehen die erste Frau, deren Neugier von der Schlange angestachelt worden ist, sich dem Baum der Erkenntnis nähern, der mitten im Garten steht, neben dem Baum des Lebens. Sie betrachtet ihn lange, nicht ohne einiges Zögern.

— Sie ist nicht gerade hübsch, sagt sie, diese Schlange (im Französischen ist „serpent“ männlich: Eva spricht von einem Galan, dem verführerischen Teufel der Kommentatoren, dem der Stich 15 einen Männerkopf gibt, im Gegensatz zum alten Jehova), die eben vorhin mit mir gesprochen hat; aber sie ist, meiner Treu, sehr distinguiert in den Manieren, und sie hat eine charmante Sprache... Der Rat, den sie mir gegeben hat, scheint mir befolgenswert; denn wirklich, es ist überaus verdrießlich, nichts zu wissen... Wir sind, Adam und ich, wie Puten (fr. „comme des dindes“, eine Redewendung: wie Einfältige; die Pute, aus Amerika gebracht, das man damals zu Indien rechnete, hieß „poule d’Inde“, Huhn aus Indien, und ihr dummes Aussehen machte „dinde“ zum Wort für die leichtgläubige Frau), und wir könnten wie Götter sein!... Und dann, sie ist verlockend, diese Frucht... Es gibt keine schönere im ganzen Baumgarten... Indessen, wenn die Schlange mir einen Schwindel (fr. „craque“, ein umgangssprachliches Wort: eine prahlerische Lüge; von „craquer“, krachen, das auch aufschneiden, lügen hieß) erzählt hätte, das wäre nicht lustig!... Das Leben ist so angenehm!... In diese Frucht zu beißen, dazu habe ich große Lust; aber wenn das Ergebnis meiner Naschhaftigkeit sein soll, dass ich sterbe?... Gar nicht amüsant, das...

Sie geht um den Baum herum; die Schlange, hinter einem Busch versteckt, verfolgt von weitem alle ihre Bewegungen.

— Nein, es ist nicht möglich, dass wir für so wenig sterben... Es ist der Vater Jehova, der uns ein Boot montiert (fr. „monter un bateau à quelqu’un“, eine Redewendung: jemanden mit einer erfundenen Geschichte täuschen) hat!... Zunächst, wenn ich darüber nachdenke, finde ich, dass er eine Bindfaden-Miene (fr. „l’air ficelle“, eine Argot-Redewendung: die Miene eines Gerissenen, der alle Schliche kennt; „ficelle“, der Bindfaden, hieß auch der durchtriebene Mensch) hat, dieser alte Graubart... während die Schlange... recht so (fr. „à la bonne heure“, ein Ausruf, wörtlich „zur guten Stunde“: das ist gut so; Beifall, oft ironisch)... ihr niedliches kleines Köpfchen hat ich weiß nicht was für einen gutmütigen Ausdruck, mit Augen, die vor Geist sprühen... Sodann ist es von einer frappanten Logik, was sie mir gesagt hat... Der Vater Jehova hat alles Interesse daran, dass wir in Unkenntnis der schönen Dinge verharren, die das Vorrecht der Götter sind... Seine Drohung, die soll uns wohl Bange machen (fr. „ficher le trac“: „trac“ ist die plötzliche Angst, besonders die des Schauspielers vor seinem Auftritt; die ursprüngliche Wendung war „foutre le trac“, aber „foutre“ hatte auch die derbe Bedeutung des Geschlechtsakts, und um sie zu vermeiden schrieb Taxil „ficher“), das ist es... Er will nicht, dass wir all dies und all das wissen... Oh! die [38] Alten! sie sind alle gleich... Schlauberger... Erzähler von Dummheiten... Nicht zu trauen...

Sie zieht eine der Gartenbänke an den Baum heran, steigt hinauf und pflückt eine der Früchte. — Nehmen wir an, es ist ein Apfel, da die Bibel in diesem Punkt nicht explizit ist und es übrigens wenig darauf ankommt, diese Frucht so oder anders zu nennen. — Sie beschaut den Apfel und fährt sich dabei mit der Zunge über die Lippen. Die Schlange, die alles gesehen hat, richtet sich hinter dem Busch auf ihrem [39] Schwanz auf und tanzt eine fröhliche Quadrille. Madame Adam führt den Apfel zum Mund. — Nebenbei, wie isst man das, diese Frucht?... Soll ich sie schälen oder gleich hineinbeißen?... Basta (fr. „Baste !“, ein veralteter Ausruf aus dem italienischen „basta“: genug! was liegt daran!)! auf die eine oder andere Art muss es gut sein... Sie zögert noch ein wenig.

— Alles wissen oder nichts wissen, welche Alternative!... Wenn wir Verstecken spielen, Adam und ich, ist das gut [40] oder ist das böse?... Grausames Rätsel!... Muss man unsere Schafe scheren, um Gutes zu tun? oder begeht man das Böse, indem man ihnen die Wolle nicht auf dem Rücken lässt?... Es ist zum Kopfverlieren... Und Adam, der sich alle Augenblicke die Finger in die Nase steckt, is’ das gut oder is’ das böse?... Wahr und wahrhaftig, das ist kein Leben, diese Dinge nicht zu wissen!...

Kurz entschlossen, tut sie einen energischen Biss in den Apfel.

— Sapristi (ein Fluch, den das Deutsche aus dem Französischen übernommen hat, heute veraltet: ein entstelltes „sacristi“, das seinerseits „sacré“, heilig, entstellt; so fluchte man, ohne zu lästern)! wie gut das ist!...

Neuer Biss, noch energischer.

— Name von dem da! (fr. „Nom d’ed’là !“, ein Fluch: „Nom de Dieu !“, Name Gottes!, in volkstümlicher Aussprache und mit „là“, da, an der Stelle von „Dieu“, um Gott nicht zu nennen) wie gut das ist!... Welch köstlicher Geschmack!... Ah! der alte Spitzbube, der mir dieses Leckerchen verboten hatte!...

Sie legt sich auf die Bank, streckt sich darauf aus und scheint die Frucht nur umso besser auszukosten.

Adam, herankommend, mit sich selbst plaudernd: — Um die Zeit zu vertreiben, habe ich soeben ein paar Bratfischchen im Tigris gefangen... aber da ich Vegetarier bin, habe ich meine Bratfischchen, kaum gefangen, in den Euphrat geschmissen...

Er erblickt seine Gattin.

— He! Männin, was knabberst du da?

Madame Adam, sich mit einem Satz aufsetzend:

Oh! schilt mich nicht!... Es ist eine Frucht... von dem Baum... du weißt schon... von einem der beiden Bäume in der Mitte des Gartens...

— Ich sehe es, fichtre (ein französischer Fluch: „foutre“, das derbe Wort für den Geschlechtsakt, abgeschwächt nach dem Muster von „ficher“, seinem milderen Ersatz)!... Das ist ausgerechnet die Frucht des Baumes, den anzurühren uns untersagt ist... Ah was! bist du verrückt, meine kleine Frau?... Nun, und die Warnung des anderen?...

— Der Vater Jehova?... der Verhinderer des Reigentanzes (fr. „l’empêcheur de danser en rond“, eine Redewendung: der Spielverderber)?... Reden wir davon, ah! ja!... Er hat sich unseren Kopf geleistet in den großen Preisen (fr. „dans les grands prix“, eine Argot-Redewendung: gründlich, im höchsten Grad), der alte Affe!...

— Was singst du mir da vor (fr. „Qu’est-ce que tu me chantes là ?“, eine umgangssprachliche Redewendung: was für Unsinn erzählst du mir da?)?...

— Seine Todesdrohung... du erinnerst dich, nicht wahr?..

— Ganz sicher!... Mir wird davon kalt im Rücken.

— Oh! la la! mein Auge! (fr. „mon œil !“, ein umgangssprachlicher Ausruf: ich glaube kein Wort davon; gesagt, während man mit dem Finger das untere Augenlid herabzieht)... Seine Drohung, mein Lieber, das war ein Kniff (fr. „truc“, ein umgangssprachliches Wort: eine List oder das verborgene Verfahren hinter einem Bühneneffekt)...

— Na, na, du schlägst Jeannot (fr. „battre Jeannot“, eine Wendung, die kein Wörterbuch kennt: wohl irrereden, wie „battre la campagne“; Jeannot, Koseform von Jean, ist der Tölpel der Possen), du verlierst die Kugel (fr. „perdre la boule“, eine Redewendung: den Verstand verlieren; die „boule“, die Kugel, ist der Kopf)?...

— Ein Kniff, sage ich dir... Zum Beweis: ich weiß schon haufenweise Dinge, seit ich in den Apfel gebissen habe...

— Du weißt, was gut ist und was böse?... Du weißt, was [41] man tun muss und was man nicht tun darf?... Du weißt das Wie und das Warum von allem und allem?...

— Ja, es fängt an, mein kleiner Grünhund (fr. „mon petit chien-vert“, ein Kosename aus dem Argot der Zeit, den man ausgehaltenen Frauen gab; Eva umschmeichelt damit Adam)... Sieh mal, ich weiß schon, wie viele Körnchen Salz man in ein Ei tun muss.

— Nicht möglich!

— Ich weiß, warum die Hähne beim Krähen die Augen schließen...

— Du verblüffst mich!... Und warum die Frösche keinen Schwanz haben, weißt du das?

— Ich habe es eben erst, in diesem Augenblick, erfahren...

— Sag es, um mich zu belehren...

— Das kommt daher, dass es sie beim Hinsetzen stören würde.

— Ah! bah!... Du wirfst mich um...

— Noch stärker als das... Nun, ich weiß, ich bin sicher, hörst du wohl, ich bin sicher, dass du ein kleiner Mann bist, brav wie ein Bild, und dass du mir nicht eine einzige Untreue angetan hast...

Adam ist verdutzt.

— Tausend Petarden! die hat mit einem Mal Wissenschaft, meine Frau!... Es ist doch wahr, dass ich ihr niemals eine Untreue angetan habe... Sapperlot von Sapperlot! (fr. „Saprelotte de saprelotte !“, ein Fluch: „sapre“ ist „sacré“, heilig, und die Endung verhüllt „Dieu“, Gott, wie „bleu“ in „sacrebleu“; das deutsche „Sapperlot“ ist aus eben diesem französischen Fluch entlehnt; verdoppelt zur Verstärkung) das ist staunenswert!... Und wenn ich dir eine Untreue antäte, wäre das böse oder wäre das gut?...

— Das wäre böse, Monsieur!... sehr böse!...

Sie zieht ihn zu sich heran, auf das Bi vom Ende der Bank. (fr. „sur le bi du bout du banc“, nach dem Titel eines Pariser Couplets von 1886: ganz am äußersten Ende der Bank, also dicht nebeneinander sitzend; „bi“ bedeutet nichts und wiederholt nur den Klang von „bout“, Ende)

— Überdies, Adam meines Herzens, liegt es nur an dir, so gebildet zu werden wie ich, ebenso schnell und mit so wenig Kosten... Beiß in den Apfel...

Sie reicht ihm den Apfel.

— Es reizt mich auch, meine kleine vielgeliebte Frau; aber was wird es uns nützen, gelehrt wie Akademiker zu sein, wenn wir noch heute daran sterben... Denn schließlich muss man die Sache überlegen: in tausend Jahren sterben, zur Not, das wäre mir gleich; aber gerade heute meine Pfeife zerbrechen (fr. „casser sa pipe“, eine umgangssprachliche Redewendung: sterben), nein, das wäre schrecklich dumm...

Madame Adam zuckt die Achseln.

— Du scheinst nicht daran zu glauben, meine Niedliche... Aber ich weiß sehr wohl, was er mir gesagt hat, der alte Papa Lieber Gott; zu mir selbst hat er gesprochen, und ich beteuere dir, er ist kategorisch gewesen...

[42] Erlaube, dass ich dir seine Worte wörtlich wiederhole: « Was den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen angeht, so sollst du nicht davon essen; denn an demselben Tage, da du davon gegessen hast, wirst du ganz gewiss des Todes sterben »... Da gibt es nichts zu feilschen (fr. „barguigner“, ein veraltetes Wort: feilschen, zögern), siehst du; mir liegt an meiner Haut, wenn dir nicht an deiner liegt...

— Adam, Adam, du bringst mich zum Lachen... Bin ich denn tot, sag?

— [43] Nein, bist ganz lebendig... Nur, der Tag ist noch nicht zu Ende; Vorsicht, die Bombe!..

— Oh! wie starrköpfig die Männer sind!... Du kannst dich rühmen, Hartnäckigkeit zu haben, und nicht zu knapp, mein Lieber!... Es ist unsinnig, wie viel Zeit du brauchst, um zu begreifen, dass das alte Rasiermesser (fr. „rasoir“, ein Argot-Wort: einer, der einen zu Tode langweilt) sich über uns lustig gemacht hat... Sieh da, du hast eben die Akademiker genannt...

— Ja; und dann?

— [44] Die Akademiker... sind das Brunnen der Wissenschaft, die da?

— Natürlich.

— Nun, gerade weil sie Brunnen der Wissenschaft sind, sind die Akademiker Unsterbliche (die Mitglieder der Académie française tragen traditionell diesen Namen)...

Adam ist von dem Argument verwirrt. Seine Gattin wird zärtlich.

— Nun, und sei es nur, um mir eine Freude zu machen, beiß in den Apfel, mein kleiner geliebter Mann... Wenn du nach mir davon gekostet hast, werden wir beide wie die Götter sein...

— Wie die Götter?...

— Versuch nicht, es zu verstehen... Die Schlange hat es gesagt...

Adam, entschlossen: — Wenn es die Schlange gesagt hat!... Gib, gib den Apfel...

Er beißt mit Gier in den Apfel.

Zwei Minuten vergehen in Schweigen; man würde einen Panamisten fliegen hören. (einer der im Panama-Skandal von 1892 kompromittierten Politiker und Finanzleute; Taxil spielt mit „on entendrait voler une mouche“, man würde eine Fliege fliegen hören, gesagt von völliger Stille, wobei „voler“ auch stehlen heißt) Mit einem Mal stößt Adam einen Schrei aus; es ist die Wissenschaft, die bei ihm ankommt.

— Bauch des heiligen Grau! (fr. „Ventre-saint-gris !“, der Lieblingsfluch Heinrichs IV.: in „ventre-Dieu“, Gottes Bauch, tritt ein erfundener Heiliger, „saint-gris“, an die Stelle Gottes, um dem Fluch die Blasphemie zu nehmen) ruft er aus, wir sind nackt wie die Würmer!... Das ist sauber (fr. „c’est du propre !“, ein Ausruf: welche Schande! ironisch gesagt)!...

— Nabel des Papstes! macht die Frau ihrerseits, ich habe nicht einmal Strumpfbänder!... Das ist unanständig!...

— Und wir, die wir heute Abend zum Ball der Orang-Utans gehen sollen!... Unmöglich, uns in Gesellschaft zu zeigen, in so nachlässiger Kleidung!...

— Schnell, schnell, wir müssen uns bekleiden!...

« Und die Augen der beiden taten sich auf; und da sie erkannten, dass sie nackt waren, nähten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Gürtel daraus. » (Genesis 3:7)

17. Adam und Eva sind sich ihrer Nacktheit bewusst.

17. Adam und Eva sind sich ihrer Nacktheit bewusst.

Merken Sie wohl, dass das erste menschliche Kostüm nicht aus Weinblättern (im Französischen ist das Blatt, das bei nackten Statuen die Scham bedeckt, ein Weinblatt, wo das Deutsche Feigenblatt sagt: Taxil berichtigt den französischen Gemeinplatz mit dem Vers, den er eben zitiert hat) war; der Ruhm der Erfindung des Weinstocks war dem Patriarchen Noah vorbehalten.

Nachdem sie sich so bekleidet haben, sehen die beiden Gatten einander an.

— Wir sind nicht allzu übel in diesem Aufzug, sagt der Ehemann.

— Mir steht das Feigenblatt wunderbar, sagt die Frau... Diese Kleider sind vielleicht ein wenig staubig; sie sind seit der letzten Saison nicht ausgeklopft worden... Bürste mich ein wenig ab, Adam...

[45] Ihre Zufriedenheit sollte nicht von langer Dauer sein.

« Da hörten sie, beim Wind des Tages, der nach Mittag bläst, die Stimme des Ewigen Gottes, der im Garten spazieren ging (sic). Und Adam und sein Weib versteckten sich vor dem Angesicht des Ewigen Gottes unter den Bäumen des Gartens. » (Genesis 3:8)

18. Adam und Eva verstecken sich beim Ruf Gottes.

18. Adam und Eva verstecken sich beim Ruf Gottes.

Dieser Jehova ist, wie man auch hier wieder feststellt, wirklich und wahrhaftig ein körperlicher Gott: er geht spazieren, er spricht; wir haben ihn kneten und blasen sehen. Die Genesis stellt ihren Gott also nach der Art aller anderen Mythologien dar. Die verschiedenen Völker des Altertums hatten nämlich keine andere Vorstellung von der Gottheit; Platon gilt als der erste, der Gott aus einer mehr oder weniger ätherischen Substanz gemacht hat, die nicht ganz und gar Körper war.

Die Kritiker fragen, in welcher Gestalt Gott sich Adam zeigte, und später Kain, den Patriarchen, den Propheten, allen denen, zu denen er mit eigenem Munde sprach. Die Tonsurierten antworten, er habe eine menschliche Gestalt gehabt und habe sich nicht anders zu erkennen geben können, da er den Menschen nach seinem Bilde geschaffen habe. Man erwidert, dass die israelitische Religion dann in diesem wesentlichen Punkt allen Religionen auffallend ähnelt, die die katholischen Priester mit dem Namen Heidentum brandmarken; die alten Römer, die die Glaubensvorstellungen der alten Griechen übernommen hatten, stellten sich die Gottheit ebenfalls nur mit menschlichem Aussehen vor. Diese Bemerkung legt die weitere Frage nahe: statt dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild gemacht hätte, sollte nicht vielmehr der Mensch sich Gott nach seinem eigenen Bilde ausgedacht haben? Aber halten wir uns nicht dabei auf; denn eine solche Meinung in seinem Hirn zu beherbergen, heißt sich den Flammen der Hölle weihen. Erinnern wir nur an diese schalkhafte Betrachtung eines Philosophen: wenn die Katzen sich Götter fabriziert hätten, hätten sie sie hinter den Mäusen herlaufen lassen.

Einzelheiten wie die vom Spaziergang Gottes im Garten Eden zeigen unwiderleglich, dass es sich in keiner Weise um eine mystische Allegorie handelt; die ganze Erzählung des heiligen Verfassers ist im Stil einer wahren Geschichte.

« 9. Und der Ewige Gott rief Adam und sprach zu ihm: Adam, wo bist du? »

Er war kläglich und beschämt, Messire Adam (ein alter französischer Titel, den man einem Ritter oder einem Herrn gab; er klingt hier wie eine spöttische Höflichkeit), und auch seiner Frau war nicht wohl zumute. Sie versuchen sich davonzustehlen, sie verstecken sich; aber, ich geb dir davon (fr. „je t’en fiche“, ein umgangssprachlicher Ausruf: keineswegs, keine Rede davon; gesagt wie ein spöttisches Angebot)! wie dem göttlichen Blick entgehen, [46] der über allem schwebt?... Vergebens bemühen sich die Bedauernswerten, ihre Person den Blicken des Höchsten zu verbergen; hinter ihnen, überall, ertönt der schreckliche Ruf des Herrn, der als mächtiger, strenger Gebieter spricht und sich anschickt, seinen Diener, seinen Sklaven zu bestrafen, der ihm ungehorsam gewesen ist.

Keine Möglichkeit, aus dieser schlimmen Lage herauszukommen; sie sind erwischt; sie werden die begangene Verfehlung eingestehen müssen. Betreten werden sie schlechte Entschuldigungen stammeln.

« 10. [47] Adam antwortete: Herr, ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, weil ich nackt war, und ich versteckte mich. »

Da stehen sie nun also vor dem Chef, vor diesem Gott, der die Zukunft kennt, der den Unfall mit der Schlange und dem Apfel vorausgesehen hatte, und der sich erbost, als hätte er nichts geahnt, als hätte sich das, was eben geschehen ist, nicht vermöge seines allmächtigen Willens zugetragen. Adam und seine Frau denken in ihrer Aufregung nicht [48] daran; sie werden reden wie Schüler, die bei einer Verfehlung ertappt worden sind: — M’sieu (fr. „monsieur“ in der nachlässigen Aussprache), ich hab’ nicht angefangen; sie war’s! — M’sieu, ich werde es nicht mehr tun, so betrübt bin ich... Ah! nein, ganz sicher, ich tu’s nicht wieder, Sie könn’n mir glauben!...

« 11. Und Gott sprach zu Adam: Wer hat dir kundgetan, dass du nackt warst? Du musst von dem gegessen haben, wovon ich dir zu essen verboten hatte.

12. Und Adam antwortete: Das Weib, das du mir gegeben hast, dass es bei mir sei, hat mir von der Frucht des Baumes gegeben, und ich habe davon gegessen.

13. Und Gott sprach zu dem Weibe: Warum hast du das getan? Und das Weib antwortete: Die Schlange hat mich getäuscht, und ich habe von der Frucht gegessen. »

Jetzt wird Meister Elohim die Bestrafungen verteilen. Er geht der Reihe nach vor, und derjenige, der der erste Schuldige war, wird als erster büßen (fr. „écoper“, ein Argot-Wort: das Wasser aus einem Boot schöpfen, die nasseste Arbeit an Bord, und daher wohl derjenige sein, der die Strafe abbekommt). Achtung!

« 14. Da sprach der Ewige Gott zu der Schlange: Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein unter allem Getier und allen Tieren der Erde; du sollst fortan auf deinem Bauche gehen und dich von Erde nähren alle Tage deines Lebens.

15. Und ich will Feindschaften setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinen Kindern und den Kindern des Weibes; sie werden suchen, dir den Kopf zu zertreten, und du wirst suchen, sie in die Ferse zu beißen. »

19. Gott wirft Adam und Eva ihre Sünde vor.

19. Gott wirft Adam und Eva ihre Sünde vor.

Diese der Schlange auferlegte Züchtigung beweist ohne mögliche Widerrede, dass die Pfarrer Flunkerer sind, wenn sie mit ihrer Manie, den Teufel überall hineinzustopfen, die Versuchung der Frau dem Dämon zuschreiben, der an jenem Tag die Gestalt des Reptils angenommen habe, jenem Luzifer-Satan, dessen angebliche Empörung und Niederlage in keinem der Bücher der Bibel verzeichnet stehen. Wäre Satan der Schuldige gewesen, so hätte Gott ihm selbstverständlich befohlen, auf der Stelle sein höllisches Domizil wieder zu beziehen, und hätte ihm eine Zugabe an Marter in der Wohnstatt der Finsternis gewährt.

Nun trifft die Bestrafung der Versuchung einzig und ausschließlich die Schlange als Getier und Tier der Erde. Nach Vers 14 des Kapitels 3 ist anzunehmen, dass dieser Geber perfider Ratschläge vorher ein mit Beinen versehenes Tier war; und ihr schnitt Gott an jenem [49] Tag wirklich die Beine ab, da er sie dazu verurteilte, fortan zu kriechen — eine Züchtigung, die höchst ungerecht wäre, wenn dieses Tier mit der Affäre nichts zu tun gehabt hätte. — Nehmen Sie an, dass der Abbé Garnier (Théodore Garnier, Priester, Journalist und katholischer Agitator in Paris, Gründer der Union nationale und ein Gegner Taxils, dessen Mystifikation er anprangerte) sich eines schönen Morgens als rechtschaffener Mann verkleidet, dass er das Kostüm anlegt und sich das Gesicht des Papa Ruel (Xavier Ruel, Gründer des Pariser Warenhauses Bazar de l’Hôtel de Ville und Pariser Stadtrat, bekannt für seine Wohltätigkeit; fr. „papa“ ist die vertrauliche Anrede für einen alten Mann, den jeder kennt) zurechtmacht, der ein Philanthrop ist, und dass er dann unter diesem Namen Gaunereien begeht; was geschähe, wenn er endlich eingesperrt, entlarvt und vor das Zuchtpolizeigericht (fr. „la correctionnelle“: Abkürzung für „tribunal correctionnel“, das französische Gericht für Vergehen; Zuchtpolizeigericht hieß es in den deutschen Ländern, die das französische Recht übernommen hatten) gebracht würde? würde das Tribunal den wackeren Papa Ruel zu Geldbuße und Gefängnis verurteilen? Nein, gewiss nicht! es würde sein Urteil gegen den wahren Gauner sprechen, es würde seinen Richterspruch auf den Garnier anwenden, das ist klar.

Die Tonsurierten werden also gut daran tun, auf ihr blaues Märchen (fr. „conte bleu“, eine Redewendung: eine Lügengeschichte; nach den blau eingebundenen Heftchen der „Bibliothèque bleue“, der billigen Volksbücher) von Luzifer als Versucher der ersten Frau zu verzichten; diese Flunkerei da hält nicht stand. Oder aber, wenn sie sie trotzdem aufrechterhalten wollen, muss man angesichts des heiligen Textes sagen, dass der Teufel gerissener gewesen ist als der Herr Jehova, und dass dieser, vollständig erweicht (fr. „ramolli“, ein umgangssprachliches Wort: gesagt von einem Mann, dessen Verstand dahin ist; gemeint ist die Gehirnerweichung), in dieser ganzen Affäre nur die Schlange gesehen, nicht das kleinste Stückchen Horn von Luzifer bemerkt und die unschuldige Schlange der Beine beraubt hat. Mein alter Leo XIII., zieh dich da heraus!

Offen gesagt, von welchem Gesichtspunkt aus man diese überspannte Episode auch betrachtet, man muss anerkennen, dass der Heilige Geist, dieser Fopper, den frommen Verfasser, der nach seinem Diktat schrieb, wieder einmal zum Narren gehalten hat. Wenn es wahr ist, dass die Kinder der Frau, die Menschen, eine allgemeine Abneigung gegen die Schlangen haben, wenn es wahr ist, dass im Falle einer Begegnung die einen recht gern suchen, diesen den Kopf zu zertreten, die sich ihrerseits verteidigen oder angreifen, indem sie jene in den Fuß oder ins Bein zu beißen suchen, so gibt es dagegen eine von Gott gegen die Schlangen verhängte Strafe, die sie niemals erlitten haben: die Schlangen nähren sich nicht von Erde, niemals, nie und nimmer. Dieses Urteil ist also umgangen worden, es sei denn, Jehova hätte in diesem Punkt das Gesetz Bérenger (das Gesetz von 1891, das den Strafaufschub auf Bewährung in das französische Strafrecht einführte) für anwendbar erklärt; in diesem Falle hat die Bibel vergessen, diesen unbegrenzten Aufschub zu erwähnen.

Aber um die Mystifikation des Heiligen Geistes in ihrem ganzen fröhlichen Spott gegenüber den leichtgläubigen Andächtigen auszukosten, muss man das ungeheure Ausmaß der Züchtigung betrachten, die der Schlange auferlegt wurde. Welcher war genau der versuchende Ophidier? Die

[50] Bibel sagt es nicht genau; aber das macht wenig aus: es ist offensichtlich, dass es nicht zugleich eine Viper und eine Natter sein konnte, oder eine Boa und eine Klapperschlange; die Arten von Ophidiern, die auf unserem Erdball leben, sind überaus zahlreich. Nehmen wir an, dass es die Natter war, die Madame Adam zur Sünde verleitet hat; nehmen wir sogar an, wenn man will, dass es vernünftig ist, wenn sich die Züchtigung der Natter auf die Nachkommenschaft dieser Art erstreckt, und dass alle Nattern der Zukunft logischerweise [51] der Beine beraubt sind, um die Verfehlung derjenigen von Eden zu sühnen... Nun denn, wenn die Frau es nicht fertiggebracht hätte, den Mann in ihren Ungehorsam hineinzuziehen, wäre sie allein bestraft worden, nicht wahr?...

Nun, arme Schlangen! die Natter allein war schuldig; aber siehe da, zugleich haben die Aspisviper, die Naja, die Schellenschlange, die Hornviper, die Blindschleiche, die Viper, der Python, die Cobra-capello, die Rollschlange, der Elaps, der Erpeton, der Bothrops, die Lanzenschlange, der Atropos, die Hypnale, das Rhodostoma, der Humbroni, der [52] Bungar, der Psammophis, der rattenfressende Eunectes, der Oxyrhopus, die Boa constrictor, der Molurus und ihre Nachkommenschaft ihre Beine verloren und kriechen auf immer, trotz ihrer unbestreitbaren Unschuld!...

« 16. Gott sprach darauf zu dem Weibe: Ich will deine Nöte und deine Schwangerschaften mehren; und du sollst mit Schmerzen gebären; und du sollst unter der Herrschaft deines Mannes sein. »

Einstimmig sind die Kommentatoren der Ansicht, dass die Strafen dieses Urteils nicht nur auf Madame Adam zielen, sondern auf alle Frauen bis zum Ende der Welt.

Ohne uns bei dem aufzuhalten, was dieses System an Ungerechtem hat oder wie es einen ziemlich übergeschnappten (fr. „loufoc“, meist „loufoque“ geschrieben, ein Argot-Wort: „fou“, verrückt, verkleidet im Largonji, dem Pariser Argot, der den ersten Buchstaben eines Wortes ans Ende wirft und ein l an seine Stelle setzt — „fou“ gibt „louf“ — und dann die Endung anhängt, die am besten klingt, daher „loufoc“; der Argot heißt „largonji“ nach dem, was er mit „jargon“ macht) Gott verrät, bemerken wir zunächst, dass die erste Frau nicht mit Schmerzen geboren hätte, wenn sie den Verführungen der Schlange hätte widerstehen können. Vor jenem Tag war sie also auf eine ganz andere Weise beschaffen als bei ihrer ersten Niederkunft. Folglich hat Gott in einer Sekunde, das heißt im selben Augenblick, da er seinen Urteilsspruch fällte, den Organismus der Frau von Grund auf umgewälzt. Man sieht es: wenn der Finger Gottes sich daranmacht, bewirkt er erstaunliche Dinge.

Zweitens ist es gut zu bemerken, dass es Jehova trotz dieser Allmacht nicht gelungen ist, die Strafen, die er gegen das weibliche Geschlecht erlassen hat, zur allgemeinen Regel zu machen: einerseits gibt es viele Frauen, die ohne Schmerzen niederkommen; andererseits sind diejenigen, die in ihrem Haushalt die Hosen tragen, diejenigen, die ihren Mann an der Nasenspitze führen, statt unter seiner Herrschaft zu stehen, Legion in allen Klassen der Gesellschaft.

« 17. Dann sprach Gott zu Adam: Weil du auf die Stimme deines Weibes gehört und von der Frucht des Baumes gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte, soll die Erde verflucht sein um deinetwillen, und du sollst von ihr essen mit Arbeit alle Tage deines Lebens.

18. Und die Erde soll dir Dornen und Disteln tragen; und du sollst das Gras der Felder essen.

19. Und du sollst dein Brot essen im Schweiße deiner Stirn, bis dass du zurückkehrst zu dieser Erde, davon du genommen bist; denn du bist Staub, und zu Staub sollst du zurückkehren. »

Dieselbe Bemerkung wie oben: die Züchtigung Adams muss ebenso alle Männer treffen; vollkommene [53] Einstimmigkeit der Theologen über die Auslegung dieser drei Verse der Genesis.

Das Schrecklichste an dem Urteil ist die Verurteilung zum Tode. Freilich vergisst der unaussprechliche Jehova, was er zuvor dekretiert hatte, nämlich dass der Mensch, im Falle des Futterns (fr. „boulottage“, von „boulotter“, einem umgangssprachlichen Wort für essen) der verbotenen Frucht, des Todes sterben würde, und zwar am Tage des Vergehens selbst (Genesis 2:17). Dieser Gedächtnismangel des Papa Lieber Gott trug dem Verurteilten einen recht beträchtlichen Aufschub der Hinrichtung ein; denn wenn man der Bibel glauben darf, lebte Adam noch... neunhundertdreißig Jahre (Genesis 5:5).

Aber wenn Adam den Apfel nicht gegessen hätte, wäre er niemals gestorben, und wir selbst, wir alle, wären unsterblich. Neugierige Leute fragen: Was hätten dann also die Menschen an dem Tage getan, an dem die Erde nicht mehr ausgereicht hätte, sie zu fassen? denn da Adam und seine Frau gleich bei ihrer Erschaffung die Fähigkeit erhalten hatten, sich zu vermehren, wäre zwangsläufig ein Augenblick gekommen, wo ihre Kinder und die Kinder ihrer Kinder unseren Planeten auf üppige Weise bevölkert hätten.

Es ist offensichtlich, dass dieses Problem unlösbar ist. Also hatte Gott es gewissermaßen nötig, dass Adam die Sünde beging: Der Tod erscheint so als eine Notwendigkeit; aber Gott lag daran, dass der Mensch sich einbildete, ganz und gar im Unrecht zu sein, und deshalb stellte er unseren ersten Eltern die Falle des Apfels und gab der Schlange, die er der Versuchung fähig wusste, die Sprache. Wenn Gott so existiert, wie die Bibel ihn darstellt, so trifft das dermaßen zu, dass die Schlange seit jener Zeit verstummt ist, obwohl der Verlust der Sprache nicht zu den Strafen zählt, die ihr auferlegt wurden.

Eine andere Beobachtung drängt sich dem Geist von selbst auf; sie betrifft das Brot, das Adam und seine Nachkommenschaft mit einem großen Aufgebot an Schweiß zu essen verurteilt worden sind. Es ist wahrscheinlich, dass es in den Urzeiten kein Brot gab und dass die Menschen sich damals ernährten wie die wilden Völkerschaften, die noch heutzutage existieren. Aber kritteln wir nicht wegen so wenig, und geben wir zu, dass der Herr Jehova vorgreifend gesprochen habe. Die Juden, für die die Bibel geschrieben wurde, aßen in der Tat Brot. Nun sagen uns die Tonsurierten, dass dieses Buch nicht ausschließlich für die Juden geschrieben worden sei und dass es im Namen des Heiligen Geistes das religiöse Gesetz der ganzen Welt sei. In diesem Fall [54] ist man gezwungen anzuerkennen, dass man nur in den Ländern Brot isst, wo das Korn wächst: Die Lappen, Rentierhirten und Robbenfänger, und im Allgemeinen alle Völker der polaren Breiten wissen absolut nichts von der Existenz des Mehls; in zahlreichen Gegenden Indiens, Amerikas, Zentral- und Südafrikas lebt man von Früchten und vom Ertrag der Jagd. Will man etwa sagen, dass Gott das Wort Brot im übertragenen Sinne gebraucht hat und dass es jede Art von Nahrung bezeichnet? Man kann [55] antworten, dass die Züchtigung ebenso wenig allgemein ist: Wenn die Arbeiter schuften, um sich zu ernähren, wenn jeder, der von seiner Arbeit lebt, sich so infolge der Verfehlung Adams getroffen sieht, so gilt das nicht für die Genussmenschen des Lebens, die reich geboren werden, Millionäre durch Erbschaft. Und erst die dicken Domherren! wenn die schwitzen, dann im Sommer, wegen ihres Fetts; es ist nicht ihre Arbeit, die sie ihr tägliches Brot mit Schweiß begießen lässt!

[56] Der Vers 18 insbesondere ist sehr böswillig gegenüber der Menschengattung. Außer dem Brot ist der Mensch verurteilt, nur das Gras der Felder zu essen, wie das Vieh; was wird ihm die Erde hervorbringen? Dornen und Disteln. Der Tauber macht uns da etwas Schönes weis! Gott zum Trotz essen die Menschen etwas anderes als Brot und Gras. Fragen Sie Lucullus. Oder aber, warum zerstört Jehova nicht mit Blitzschlägen die Restaurants, die sich erlauben, Fleischgerichte auf ihrer Karte zu führen? Unnötig, weiter darauf einzugehen.

Hier ist es am Platz zu sagen, dass Adam gut beraten gewesen wäre, den Vater Lieber Gott spazieren zu schicken (fr. „envoyer promener“, eine Redewendung: jemanden zum Teufel schicken; Taxil nimmt sie wörtlich, da Jehova gern in seinem Baumgarten spazieren geht), da das Spazierengehen Jehova gefällt.

Folgendes aber geschah nach der Verkündung des Richterspruchs:

« 20. Da nannte Adam sein Weib Eva, weil sie die Mutter aller Lebendigen ist. »

Der liebe Mann hatte noch nicht daran gedacht, seiner Gefährtin einen Namen zu geben; bis dahin hatte er sich darauf beschränkt, sie als Männin zu bezeichnen, wie man es in Vers 23 des 2. Kapitels gesehen hat. Das Merkwürdige ist, dass der Name, den Adam seiner Gattin gab, gerade ein hebräischer Name ist; Hévah (die Form, die Taxil dem hebräischen Namen gibt; die heutigen Bibeln sagen „Eva“, vom hebräischen „Chawwa“, „die Lebendige“) bedeutet « das Leben ». Daher darf man den Verfasser der Genesis vor dieses Dilemma stellen: Entweder ist die Sprache unserer ersten Eltern das Hebräische, und dann muss man, da diese Sprache nicht verloren gegangen ist, die Geschichte vom Turm zu Babel durchstreichen; oder Adam hat seiner Frau einen Namen gegeben, der aus der famosen Ursprache genommen ist, die heute verloren ist, und dann hat der heilige Verfasser einen Missgriff begangen. In dem einen wie in dem anderen Fall hat der inspirierende Tauber auch dieses Mal wieder den Schriftsteller zum Narren gehalten.

Nun wird man sehen, dass Jehova Adam und Eva entgegen der verbreiteten Meinung nicht unverzüglich aus dem irdischen Paradies vertrieb. Zunächst machte sich Papa Lieber Gott, der ihr Kostüm aus Feigenblättern zu dürftig fand, aus dem Stegreif zum Schneider.

« 21. Und der Ewige Gott machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen und kleidete sie damit. »

Da haben wir also für die Anfertigung dieser Kleider ein Gemetzel an unschuldigen Tieren; das Schlachthaus war von Elohim in Person eingeweiht. Wie können Sie danach erwarten, dass unsere ersten [57] Eltern nicht alsbald daran gedacht hätten, das Fleisch der so hurtig hingeopferten und abgehäuteten Tiere für ihre Nahrung zu verwenden? Verflixt sei die Kost von Brot und Gras! müssen sie bei sich gesagt haben.

Und der Herr Jehova hätte Adam und Eva sehr wohl in Eden leben und sterben lassen, wenn er nicht, einige Zeit nachdem er sie gekleidet hatte, an diesen wundersamen Baum des Lebens gedacht hätte, in dessen Früchte zu beißen dem Mann und der Frau nicht eingefallen war.

« 22. Der Ewige Gott aber sprach bei sich: Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns (sic); er kennt das Gute und das Böse. Nun aber muss man sich hüten, dass er nicht auch seine Hand ausstrecke nach dem Baum des Lebens und dessen Frucht pflücke und esse und also ewiglich lebe. »

So lautet der Vers 22, den die Tonsurierten aus gutem Grund in ihren Zusammenfassungen der Bibel auslassen.

Also, das ist doch klar: Unsere beiden Tölpel Adam und Eva, denen die Frucht des Baumes des Lebens nicht verboten worden war, vernachlässigten sie törichterweise; und wenn der Mann und die Frau, während Jehova damit beschäftigt war, ihre Kostüme aus Fellen zuzuschneiden, die gute Eingebung gehabt hätten, sich auf eine dieser wunderbaren Früchte zu stürzen und sie rasch hinunterzuschlucken, dann wäre es der alte jähzornige Richter gewesen, der eine Nase gemacht hätte (fr. „faire un nez“, eine Redewendung: ein enttäuschtes Gesicht machen)!... Zack! sein Urteil wäre mit einem Male unvollstreckbar geworden.

Nicht wahr, sie ist entschieden ulkig, die Heilige Bibel, sobald man sie genau liest?... Nicht nur hat er das Augenflimmern (fr. „avoir la berlue“, eine Redewendung: sehen, was nicht da ist; „berlue“ ist eine vorübergehende Blendung der Augen), dieser einzige Gott, der eine Feststellung der Existenz mehrerer Götter fallen lässt; sondern er, der angeblich Allmächtige, gesteht auch noch wie ein Schwachkopf seine Ohnmacht ein, seinen Urteilsspruch, der auf Verurteilung zum Tode lautet, zu vollstrecken. Woran das hing, sehen Sie nur! Mit Geistesgegenwart hätten sich Adam und Eva unsterblich gemacht, Gott selbst zum Trotz!!!

Und wie sehr sich der alte Jehova beglückwünscht haben muss, sich endlich wieder an diesen Schelm von einem Baum des Lebens erinnert zu haben!... nein, es zu sagen, ist gar nichts (fr. „ce n’est rien de le dire“, eine Redewendung: das ist noch viel zu wenig gesagt)... Sicherlich hatte er einen Knoten in sein Taschentuch gemacht. Ohne das!...

« 23. Und der Ewige Gott schickte Adam aus dem Garten Eden hinaus, auf dass er die Erde pflügte, aus der er geknetet worden war.

24. Also trieb er den Menschen aus; und da stellte er einen Cherub [58] vor den Eingang des Gartens, mit einer Schwertklinge von Feuer, die sich hierhin und dorthin wandte, um den Weg zum Baum des Lebens zu bewahren. »

20. Adam und Eva aus dem irdischen Paradies vertrieben.

20. Adam und Eva aus dem irdischen Paradies vertrieben. (das Schild am Tor lautet „Campagne à louer“, Landhaus zu vermieten: das Paradies steht zur Miete)

Irrtum ausgeschlossen, nicht wahr?... Es war wirklich dieser unglückselige Baum des Lebens, der Meister Elohim am meisten beschäftigte. Um keinen Preis durften Adam und Eva dorthin zurückkehren können. Aber was für eine verwünschte Idee hatte Papa Lieber Gott auch gehabt, diesen Baum zu schaffen!... Sehen wir einmal: Mit seiner Kenntnis der Zukunft wusste er [59] mit Gewissheit, dass unsere ersten Eltern sündigen würden und dass er sie zum Tode verurteilen würde, sie und die ganze menschliche Rasse; also konnte ihm dieser Baum des Lebens nur im Wege sein; es war so einfach, ihn nicht zu pflanzen!... Da haben wir einen heiligen Jehova, der nicht schlecht daran täte, sich der Duschkur (fr. „au régime des douches“: kalte Duschen waren die übliche Behandlung in den Irrenanstalten der Zeit) zu unterziehen; allerdings glänzen die hydrotherapeutischen Anstalten im Himmel vielleicht durch ihre Abwesenheit (fr. „briller par son absence“, eine Redewendung: dieselbe wie das deutsche „durch Abwesenheit glänzen“), obwohl der Anfang der Genesis uns über die Existenz oberer Wasser belehrt hat, die [60] oberhalb der Ausdehnung liegen, in der sich die Gestirne bewegen... Und dann diese Idee, einen Cherub mit flammendem Schwert an der Pforte Edens unbeweglich hinzustellen, das ist doch so dumm, oh! ja!... Durch ein Wort, durch eine einzige Willensanstrengung hätte Gott den leidigen Baum des Lebens vernichten können, der fortan ohne Daseinsgrund war; und der Allmächtige hat nicht daran gedacht!...

Nun, meinetwegen der Cherub, Schildwache ohne Schilderhaus!... Dieser Cherub ist eine kostbare Ordonnanz, falls die Entdeckung Edens irgendeinen neuen Christoph Kolumbus in Versuchung führt.

Wohlan, gesucht wird ein Forschungsreisender guten Willens. Will sich unter meinen Lesern jemand einschreiben?... Da Papa Lieber Gott sich die Mühe gemacht hat, die Pforte Edens bewachen zu lassen, da er so weit gegangen ist, Verteidigungsmaßnahmen zu ergreifen, um die Menschheit auf immer daran zu hindern, den Weg zu betreten, der zum Baum des Lebens führt, so heißt das, dass das irdische Paradies und der wunderbare Baum noch irgendwo existieren. Wenn wir beim Erforschen der Gegend, wo die Quellen des Tigris und des Euphrat sind, auf einer Straße vor einem Portal einen Cherub erblicken, der eine Schwertklinge von Feuer schwingt, werden wir keinen Zweifel haben, wir werden sagen können: Wir sind da! hier ist es!

Hunderttausend Franken Belohnung dem, der den Cherub findet!

Und zunächst, was genau ist dieses Pfarrkind da (fr. „paroissien“, ein umgangssprachliches Wort: ein Individuum, ein Kerl)?... « Cherub » ist das Wort, das im hebräischen Text der Genesis steht. Dieses Wort bedeutet « ein Ochse »; es kommt von charab, « pflügen ». Die Hebräer hatten nämlich zahlreiche Erinnerungen an ihre Knechtschaft in Ägypten bewahrt, und sie kopierten die Ägypter recht weitgehend in manchen Gebräuchen, selbst in dem, was die kleinen Einzelheiten des Kultes betraf; so meißelten sie grob Ochsen, aus denen sie eine Art Sphinxe machten, zusammengesetzte Tiere, wie sie deren in ihre Heiligtümer stellten. Diese Figuren hatten zwei Gesichter, ein Menschen- und ein Ochsengesicht, und Flügel sowie Menschenbeine und Ochsenfüße. Heute haben die Tonsurierten das alles geändert (Anspielung auf Molières „Le Médecin malgré lui“, wo der falsche Arzt Sganarelle, der das Herz nach rechts und die Leber nach links verlegt hat, antwortet: „nous avons changé tout cela“, „das haben wir alles geändert“): Aus Cherub haben sie Cherubin gemacht, und die Cherubinen des neuen Kultes sind junge pausbäckige Engel, aber ohne Leib, die nur einen Kinderkopf mit zwei kleinen Flügeln haben; man sieht solche kuriosen Engel in einer Menge von Kirchenbildern... Es ist wahrscheinlich, dass der engelhafte Pförtner des irdischen Paradieses diesem letzten Signalement nicht entspricht und dass es im Gegenteil ein [61] Cherub nach hebräischer Mode ist, mit einem Kopf mit zwei Gesichtern, deren eines ein Ochsengesicht ist; daran wird unser Forschungsreisender ihn von weitem erkennen können. Oder, wenn es ein Cherubin nach katholischer Mode ist, ohne Leib und Hände, dann muss er sein flammendes Schwert mit den Zähnen halten, und auch auf diese Weise wird er nicht unbemerkt bleiben können. Aber ich neige zu dem Portier (fr. „pipelet“, ein umgangssprachliches Wort: nach Pipelet, dem Portier in Eugène Sues Roman „Les Mystères de Paris“, deutsch „Die Geheimnisse von Paris“; sein Name ging auf alle seines Standes über) mit dem halb Menschen-, halb Rinderkopf.

Mutig also auf die Suche nach Eden! Hinweis für Liebhaber!... Selbst wenn es uns nicht gelingen sollte einzudringen, wird der Ausflug interessant sein; man wird zumindest um den Garten herumgehen und die Lage auf den geographischen Karten festlegen, die ohne das immer unvollständig wären.

Einstweilen wollen wir jetzt sehen, was Adam und Eva taten, als sie einmal außerhalb des irdischen Paradieses waren, im Besitz der vollständigen Erkenntnis des Guten und des Bösen... einschließlich der Seekrankheit (fr. „le mal de mer“: „mal“ ist zugleich das Böse und die Krankheit, und so schiebt Taxil die Seekrankheit in den Baum des Guten und des Bösen).


2. KAPITEL

Kurze Geschichte der ersten Menschen


Die Heilige Schrift ist nicht reich an biographischen Einzelheiten über die ersten Menschen.

Das vierte Kapitel der Genesis macht den Vermutungen der jovialen Kommentatoren kurzerhand ein Ende, die in der Geschichte des Apfels, den Eva auf den Rat der Schlange pflückte und gemeinsam mit Adam aß, das Werk der Liebe haben sehen wollen. Erst nach der Vertreibung aus Eden machten sich unsere ersten Eltern daran, sich eine Nachkommenschaft zu schaffen. Der Text der Bibel ist hinreichend explizit.

« 1. Adam aber erkannte Eva, sein Weib, die da empfing und Kain gebar; und sie sprach: Ich habe einen Mann erworben durch den Ewigen.

2. Sie gebar ferner Abel, seinen Bruder. Und Abel ward ein Schäfer, und Kain ward ein Ackermann. »

Wer das Studium der Theologie und der Theologen nicht vertieft hat, ist tausend Meilen davon entfernt, die überspannten Diskussionen zu ahnen, die diese gewichtige Affäre der Empfängnis des ersten menschlichen Babys unter den [62] jüdischen und christlichen Kommentatoren hervorgerufen hat. Trotz des obigen Textes haben die einen, die ihn noch nicht klar genug fanden und trotzdem Anhänger des in Eden vollbrachten Werkes der Liebe waren, die Meinung geäußert, dass Eva, kaum erschaffen, ihre Jungfräulichkeit verlor und dass die Schlange, um sie zu versuchen, den Augenblick nutzte, in dem Adam eingeschlafen war, um sich von seinen ehelichen Strapazen auszuruhen. Die anderen, an ihrer Spitze der heilige Hieronymus, der die Vulgata verfasste, indem er unmittelbar aus dem Hebräischen übersetzte, sind der Ansicht, dass [63] der Vers 1 des 4. Kapitels der Genesis beweist, dass Adam nicht eher daran gedacht hat, Eva zu erkennen, als bis sie aus dem Paradies vertrieben wurden.

Und die Beurteilungen sind dabei nicht stehen geblieben!... Die Theologen, die die Sichtweise des heiligen Hieronymus angenommen haben, haben sich auf Grund der folgenden schönen Überlegung untereinander gespalten: Zugegeben, dass der Vollzug der Ehe nach dem Weggang aus Eden stattgefunden hat, gibt es keinen Grund, weshalb [64] das alsbald, da, auf der Stelle geschehen sein müsste; also, wann? in welchem genauen Augenblick?... Wenn man Theologe ist, will man alles durchwühlen; diese Männer da sind von einer unvorstellbaren Neugier, vor allem in dieser Art von Fragen. Es hat also Leute gegeben, die verzapft haben, dass Adam die entscheidende Operation fünfzehn Jahre und sogar dreißig Jahre aufschob. Andere treiben die Sache noch weiter und vertreten gravitätisch die Ansicht, dass Adam und Eva, aus gemeinsamem Entschluss und um ihre Sünde zu beweinen, ihre Enthaltsamkeit erst nach... hundert Jahren brachen!

Sie glauben, das sei zu Ende?... Ah! wie wenig Sie die Theologen kennen! Einige haben eine Überlieferung aufgestöbert, der zufolge Adam hundertfünfzig Jahre lang exkommuniziert geblieben wäre, weil er von der verbotenen Frucht gegessen hatte, und er hätte während dieser Zeit mit einer Frau gelebt, die wie er aus der Erde gebildet worden wäre und die sie Lilia nennen; sie fügen hinzu, dass er durch seinen Verkehr mit dieser Frau Teufel zeugte, und dass er endlich Eva ehelichte, als seine Exkommunikation aufgehoben wurde, und dass er dann Menschen zeugte. Gerechterweise muss man sagen, dass sich diese Meinung nicht durchgesetzt hat. Schließlich haben andere Kommentatoren, ebenfalls als Ketzer bezeichnet und vom heiligen Epiphanius zitiert, die Ansicht vertreten, dass der Teufel mit Eva zu tun gehabt habe wie ein Ehemann mit seiner Frau, und das sogar nach dem Auszug aus Eden, und dass er von ihr Kain und Abel gehabt habe. Da haben wir also Kompensationen: Adam verlässt Eva, um mit einer anderen Frau Teufel zu machen, und der Teufel sucht Eva auf, um mit ihr Menschen zu machen.

Und die Frage der Niederkünfte Evas?... Die lieben Theologen haben auch darin eine unerschöpfliche Fundgrube für Kontroversen gefunden. Aber das würde uns zu weit führen. Zum Schluss erinnern wir an eine berühmte und gelehrte Dissertation des Deutschen Reinhardt, in der die Frage erörtert wird, ob Adam und Eva einen Nabel hatten oder nicht!...

Das alles sind Dummheiten, wie jener sagt. Kommen wir zu dem, was ernst ist, da das, was in der Bibel ernst ist, nichtsdestoweniger zum Totlachen ist.

Also war Abel Schäfer und Kain Ackermann (Genesis 4:2); und wir werden bald diesen alten Verdrehten von einem Jehova Abel dem Kain vorziehen sehen. Nun, ich bitte Sie, nur eine Sekunde darüber nachzudenken: Welcher der beiden Söhne Adams, bitte sehr, hatte Gott bei der [65] Wahl seines Berufes gehorcht? Kain war es, beim Blauen (fr. „parbleu !“, ein Fluch: hier so viel wie „natürlich!“; „par Dieu“, bei Gott, mit „bleu“, blau, an der Stelle von „Dieu“, Gott; bei Gott zu schwören war Blasphemie, man änderte das Wort und behielt den Fluch; ebenso „morbleu“, „sacrebleu“)! da ja der Ewige der Menschheit befohlen hatte, die Erde zu bebauen und sich ausschließlich von dem zu ernähren, was die Felder hervorbrächten, abgesehen davon, das Korn in Brot zu verwandeln. Abel dagegen wird Schäfer; wenn er Schafherden hütete und züchtete, so war es offensichtlich nicht zum Vergnügen, ihnen beim Weiden zuzusehen und dabei Perlen aufzufädeln (fr. „enfiler des perles“, eine Redewendung: seine Zeit mit Nichtigkeiten vertun); in Wirklichkeit tat er es, weil er den Hammel vor allem unter dem Gesichtspunkt der Keule und der Koteletts schätzte, an denen er sich delektierte, das versteht sich von selbst. Abel verstieß also glatt gegen die ausdrücklichen und jüngsten göttlichen Vorschriften; und er war es, der zum kleinen Liebling des Herrn Jehova wurde!... Wahrhaftig, o unbezahlbare Pfarrer, nicht in eure Tabernakel muss man euren Papa Lieber Gott einsperren; sondern in eine Zelle von Charenton. (die Irrenanstalt von Charenton bei Paris; ihr Name ist im Französischen zum Wort für „Irrenhaus“ geworden)

« 3. Es begab sich aber nach einiger Zeit, dass Kain dem Ewigen Früchte der Erde als Opfergabe darbrachte;

4. Und dass auch Abel von den Erstgeborenen seiner Herde darbrachte und von ihrem Fett. Und der Ewige war zufrieden mit Abel und mit seinen Gaben;

5. Aber er war nicht zufrieden mit Kain noch mit seinen Gaben. Und Kain ward erzürnt, und sein Antlitz ward niedergeschlagen. »

21. Gaben Abels an Gott.

21. Gaben Abels an Gott.

Da war in der Tat Grund genug, es schlecht zu finden (fr. „la trouver mauvaise“, eine Redewendung: es ganz und gar nicht komisch finden).

« 6. Und der Ewige sprach zu Kain: Warum bist du zornig, und warum ist dein Antlitz niedergeschlagen?

7. Wenn du wohl tust, wird es nicht angenommen werden? Aber wenn du nicht wohl tust, so ist die Strafe der Sünde vor der Tür. Ihre Begierden aber richten sich auf dich; und sie wird unter deiner Macht sein. »

22. Gaben Kains.

22. Gaben Kains.

Die Bibel erwähnt keine Antwort Kains an Gott. Ich gestehe: Hätte ich mich an seiner Stelle befunden, so hätte mich der unverständliche Galimathias des Verses 7 vollständig betäubt.

Kain war kein Prophet. Sonst hätte er, ohne sich um den obengenannten Galimathias zu kümmern, seinem Gegenüber antworten können:

— Es sind also die Gaben aus Fleisch, die Sie vorziehen, mein alter Jehova?... Nun, Sie geben ein Beispiel, dem die heidnischen Opferpriester folgen werden... Sie haben gerade denselben Geschmack, den die Götzen haben werden, und dieser Geschmack wird später für grob und der Gottheit unwürdig erklärt werden... wissen Sie, von wem?... von den Priestern des Katholizismus selbst.

Aber Kain antwortete nicht. Dieser Mann, der sich [66] so viel Mühe gegeben hatte, den Anbau seiner Melonen zu gutem Ende zu führen, der dem Herrn seine saftigsten Kantalupen darbrachte und sie verachtet sah, dieser Mann begriff, dass Gott sich obendrein (fr. „par-dessus le marché“, eine Redewendung, wörtlich „über den Handel hinaus“) über ihn lustig machte, und er war darüber so gekränkt, dass er einen Augenblick lang den Kopf verlor. Anstatt dem kapriziösen und unhöflichen Jehova zu grollen, beging er den Fehler, es an seinem Bruder auszulassen.

« 8. Und Kain sprach zu seinem Bruder Abel: Lass uns hinausgehen. Und [67] als sie auf den Feldern waren, erhob sich Kain wider Abel, seinen Bruder, und tötete ihn. »

23. Ermordung Abels durch Kain.

23. Ermordung Abels durch Kain.

Das hat sich nicht lange hingezogen, man sieht es; Kain war ein rascher Bursche. Er lädt seinen Bruder ein, einen kleinen Spaziergang ins Freie zu machen; er zieht ihn mit sich auf die Felder, unter irgendeinem Vorwand, um zusammen Käfer zu suchen, zum Beispiel. Dort angekommen, schnell ein deutscher Streit, wegen Stiefeln (fr. „une querelle d’allemand, à propos de bottes“, zwei Redewendungen: ein „deutscher Streit“ ist ein ohne jeden Anlass gesuchter Streit, und „wegen Stiefeln“ heißt so viel wie wegen nichts); dann ein guter Hieb mit der Hacke auf den Kopf. Zack! das wär’s. Und es ist der [68] Liebling des Papa Lieber Gott, der in der Menschheit den Tod einweiht.

Was geht danach in Kains Schädel (fr. „la caboche“, ein umgangssprachliches Wort: der Kopf) vor? Ist er vernichtet beim Anblick seines Verbrechens?... Überhaupt nicht. Er verwandelt sich plötzlich in einen verstockten Schurken, in Bagnowild (fr. „gibier de bagne“, eine Redewendung: ein Mensch, der dem Bagno, der französischen Strafanstalt für Zwangsarbeit, schon gehört wie das Wild dem Jäger). Er hat nicht die geringsten Gewissensbisse, und er, vorhin noch so niedergeschlagen, wird sich gegenüber dem Herrn Jehova insolent zeigen, der ihm keinerlei Furcht einflößen wird.

« 9. Und der Ewige sprach zu Kain: Wo ist Abel, dein Bruder? Und Kain antwortete ihm: Ich weiß nichts davon; bin ich denn der Hüter meines Bruders, ich? »

24. « Kain, was hast du mit deinem Bruder getan? »

24. « Kain, was hast du mit deinem Bruder getan? »

Man glaubt das Tableau zu sehen: Papa Lieber Gott, wie er an der Ecke einer Wolke erscheint und den Mörder anredet, und Kain, der ihm so etwas zuwirft wie Und deine Schwester (fr. „Et ta sœur ?“, eine spöttische Redensart aus Paris: kümmere dich um das, was dich angeht)? mit der vollkommenen Seelenruhe eines Berufsverbrechers, der alle Spuren des Meuchelmords verwischt zu haben glaubt und den Gendarmen eine fußlange Nase macht. Nun hatte Jehova keine Einzelheit des Dramas verpasst; diesmal versagte sein göttliches Auge nicht.

« 10. Und Gott sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit von der Erde bis zu mir. »

25. Das Blut des Opfers erhebt sich gegen den Meuchelmörder.

25. Das Blut des Opfers erhebt sich gegen den Meuchelmörder.

Es ist klar, dass eine schreckliche Züchtigung so viel Schurkerei und Unverfrorenheit bestrafen wird.

Sehen wir uns also die Fortsetzung der Rede Jehovas an:

« 11. Darum sollst du nun verflucht sein, selbst von der Erde, die ihren Mund aufgetan hat, um von deiner Hand das Blut deines Bruders zu empfangen!

12. Wenn du die Erde pflügen wirst, soll sie dir hinfort ihre Frucht nicht geben; und du sollst auch ein Vagabund und ein Flüchtling sein auf der ganzen Erde. »

Da ist Kain zur Vagabondage verurteilt, dazu, weder Feuer noch Ort zu haben (fr. „ni feu ni lieu“, eine Redewendung: weder Herd noch Wohnsitz), immer zu gehen, ohne irgendwo haltmachen zu können, ein Vorläufer des legendären umherirrenden Juden. Aber wenn er ein Flüchtling ohne Ruhe noch Rast sein soll, so wird er nicht zugleich Pflüger sein, was seinem Wesen nach ein sesshafter Beruf ist; wie sollte er es anstellen zu pflügen, selbst ganz vergeblich? — Wenn ein der Vagabondage Beschuldigter dem Gericht beweist, dass er Pflüger ist, wenn er nachweist, dass er ein Feld besitzt und dass er es bebaut, so ist sein Freispruch gewiss; die Anklage ist zusammengebrochen, er ist kein Vagabund.

[69] Daraufhin bekommt Kain den Bammel (fr. „frousse“, ein Argot-Wort: eine übergroße, oft kopflose Angst), einen solchen Bammel, dass er vergisst, dass die Menschheit im Ganzen aus drei Personen besteht, seinem Vater, seiner Mutter und ihm selbst, und dass er sich einbildet, seinerseits von den anderen Menschen getötet werden zu können, die nicht existieren. Das ist mir eine hübsche Gehirnzerrüttung! Nun, das steht ausgeschrieben in der Bibel.

« 13. Und Kain sprach zu dem Ewigen: Meine Strafe ist größer, denn ich tragen kann.

14. Siehe: du hast mich heute von dieser Erde vertrieben, und ich werde mich vor deinem Angesicht verbergen, und ich werde ein Vagabund und ein Flüchtling sein auf der ganzen Erde; dann wird es geschehen, dass mich töten wird, wer mir begegnet. »

Damit legt sich der Grimm des alten Jehova. Er erlässt Kain seine Verurteilung zu lebenslänglicher Vagabondage nicht; aber da auch er den Sinn für die Lage verliert, will er nicht, dass die Strafe verschärft werde. Daher nimmt er Kain unter seinen Schutz gegen diese unmöglichen Meuchelmörder. Wenn das kein Delirium ist, so frage ich, was dann eines ist!

« 15. Und der Ewige sprach zu Kain: Wer Kain tötet, der soll siebenmal doppelt bestraft werden. Und Gott machte ein Mal an Kain, auf dass die, welche ihm begegneten, ihn nicht töteten. »

26. Kain wird mit einem Zeichen der Verwerfung gezeichnet.

26. Kain wird mit einem Zeichen der Verwerfung gezeichnet.

Man erwartet, jetzt irgendeine Erzählung von der Vagabondage Kains zu lesen. Ah! aber nein doch! Niemand war sesshafter als dieser Flüchtling.

« 16. Da ging Kain hinaus von dem Angesicht des Ewigen, und er kam und wohnte im Lande Nod, gegen Morgen von Eden.

17. Daselbst erkannte Kain sein Weib, die empfing und gebar Henoch; und er baute eine Stadt, die er Henoch nannte, nach dem Namen seines Sohnes. »

Wir erfahren daraus, dass Kain heiratete: Der Verfasser sagt nicht, mit wem; aber es fließt aus der Quelle (fr. „couler de source“, eine Redewendung: sich von selbst ergeben), dass Adam und Eva Töchter hatten, von denen die Bibel zu sprechen versäumt hat, und dass Kain eine seiner Schwestern ehelichte. Wir wollen es ihm nicht als Verbrechen anrechnen; die Blutschande war in den ersten Zeiten der Menschheit obligatorisch.

Was uns eher aufspringen lässt, so groß ist unsere Überraschung, das ist diese von Kain gegründete Stadt. Das ist schon stark, ein Vagabund, der eine Stadt baut; aber welche Arbeiter hatte er in seinem Dienst? welche Werkzeuge verwendete man, um die Häuser zu errichten? und wo rekrutierte Kain schließlich Stadtbürger, [70] um seine Stadt Henoch zu bevölkern?... Und der Heilige Geist, dieser Fopper, hat den frommen Verfasser, den er inspirierte, diese schöne Geschichte schlucken lassen!...

Die folgenden Verse geben uns die Nachkommen Kains. Henoch zeugt Irad; Irad zeugt Mahujael; Mahujael zeugt Methusael. Man weiß von diesen Gestalten nur ihren Namen. Methusael zeugt einen gewissen Lamech, der im Heiraten naschhafter war als seine edlen Ahnen. Der ehrwürdige Lamech ist nämlich [71] der Erfinder der Polygamie; er leistet sich zwei Frauen für sich ganz allein, was beweist, dass der Artikel allmählich aufhörte, selten zu sein. Von seiner Frau Ada hatte er zwei Söhne, genannt

Jabal und Jubal, und von seiner Frau Zilla hatte er einen Sohn, Thubalkain, und eine Tochter, Naema.

Es scheint, dass die Söhne Jabals der von ihrem Vorfahren Kain gebauten Stadt das Land vorzogen; denn sie waren die Ersten auf Erden, die unter Zelten wohnten (Genesis 4:20). Was die [72] Söhne Jubals betrifft, so gefiel ihnen die Stadt dagegen, und sie waren die lustigsten der Familie; sie liebten die Musik. « Jubal war der Vater aller, die auf der Geige und der Orgel spielen. » (4:21) Thubalkain seinerseits war der biblische Vulkan: « er schmiedete allerlei Werkzeuge aus Erz und Eisen. » (Genesis 4:22)

Der Polygamist Lamech scheint in seiner Zimmerdecke eine Spinne (fr. „avoir une araignée au plafond“, eine Redewendung: ein wenig verrückt sein; die Zimmerdecke steht für den Kopf) von ziemlich schöner Größe einquartiert zu haben; denn die Genesis berichtet uns von ihm einen Speech, der den Vorzug hat, kurz zu sein, den aber kein Kommentator jemals hat verstehen können.

« 23. Lamech aber sprach eines Tages zu Ada und zu Zilla, seinen Weibern: Ihr Weiber Lamechs, höret wohl auf meine Worte. Ich werde einen Mann töten, wenn ich verwundet werde; ich werde sogar einen Jüngling töten, wenn ich zerschlagen werde.

24. Denn wenn Kain siebenmal doppelt gerächt werden sollte, so werde ich, Lamech, siebzigmal siebenmal gerächt werden. »

Diese Rede verblüffte Mesdames Ada und Zilla im höchsten Grade; sie waren davon wohl wie versteinert und baten nicht um die geringste Erklärung. Die Heilige Schrift geht unmittelbar dazu über, die Geburt Seths, des dritten Sohnes Adams, zu erwähnen.

« 25. Und Adam erkannte abermals sein Weib, die gebar einen Sohn und nannte ihn Seth; denn Gott, sprach sie, hat mir einen anderen Sohn gegeben, als Ersatz für Abel, den Kain getötet hat.

« 26. Und dem Seth ward ein Sohn geboren, und er nannte ihn Enos. Zu der Zeit fing man an, den Namen Jehovas anzurufen. »

Das fünfte Kapitel der Genesis ist einzig der Genealogie Noahs, eines Nachfahren Adams durch Seth, gewidmet. Der heilige Verfasser befasst sich nicht mehr mit den Nachkommen Kains.

Wir finden also die folgende Reihenfolge, in der nur die ältesten Söhne genannt sind: Seth, Enos, Kenan, Mahalaleel, Jared, Henoch, Methusalah, Lamech, Noah. Aber das Merkwürdigste an diesem Kapitel ist die Behauptung der außerordentlichen Langlebigkeit all dieser Patriarchen. Adam war hundertdreißig Jahre alt, als er Seth bekam, und er lebte noch achthundert Jahre. Seth starb mit neunhundertzwölf Jahren; Enos mit neunhundertfünf Jahren; Kenan mit neunhundertzehn Jahren usw. Am jüngsten starb Lamech, der Vater Noahs; dieser Lamech, den man nicht mit dem verdrehten Polygamisten von vorhin verwechseln darf, verstarb im siebenhundertsiebenundsiebzigsten Frühling seines Alters.

[73] Henoch, der Sohn Jareds, war gerissener als alle anderen; er starb schlichtweg nicht.

« 21. Henoch lebte fünfundsechzig Jahre, und alsdann zeugte er Methusalah.

22. Und Henoch, nachdem er Methusalah gezeugt hatte, ging dreihundert Jahre lang mit Gott spazieren (fr. „se promena avec Dieu“: die Bibel Ostervalds hat „marcha avec Dieu“, „wandelte mit Gott“; der Spaziergang stammt aus Voltaires Vers 24, „Il se promena avec Dieu“, und Taxil überträgt ihn auch auf diesen Vers); und er zeugte Söhne und Töchter.

23. Die ganze Zeit also, die Henoch lebte, war dreihundertfünfundsechzig Jahre.

24. Henoch aber, nachdem er also mit Gott spazieren gegangen war, erschien nicht mehr, weil Gott ihn hinwegnahm. » (Genesis, ch. 5)

27. Henoch, ein alter Patriarch, wird in den Himmel entrückt.

27. Henoch, ein alter Patriarch, wird in den Himmel entrückt.

Diese Episode ist zu schön; jeder beliebige Kommentar würde sie deflorieren. Bewundern wir!

Was Methusalah betrifft, so ist er es, der den Becher der Langlebigkeit herunterholte (fr. „décrocher la timbale“, eine Redewendung: den Preis davontragen; auf dem Jahrmarkt hing der Becher, die „timbale“, oben am eingefetteten Kletterbaum, und wer hinaufkam, gewann ihn). Er war rüstig, der Biedermann; urteilen Sie selbst. Er lebte in Enthaltsamkeit bis zum Alter von hundertsiebenundachtzig Jahren, einem glücklichen Zeitpunkt, zu dem er sich den Luxus gönnte, ein Balg zu haben (fr. „un moutard“, ein umgangssprachliches Wort: ein kleines Kind), und nach der Geburt des jungen Lamech II. brachte er es fertig, noch siebenhundertzweiundachtzig Jahre zu leben, wobei er bis zuletzt Beweise seiner Manneskraft gab.

28. Methusalah ist Vater mit hundertsiebenundachtzig Jahren.

28. Methusalah ist Vater mit hundertsiebenundachtzig Jahren.

« 26. Methusalah, nachdem er Lamech gezeugt hatte, lebte siebenhundertzweiundachtzig Jahre und zeugte noch Söhne und Töchter. » (Wörtlich!)

Insgesamt: neunhundertneunundsechzig Jahre. Entschuldigen Sie das Wenige!... (fr. „Excusez du peu !“, ein spöttischer Ausruf: angesichts von etwas Übermäßigem gesagt, als entschuldigte man sich, dass es so wenig sei) In jener Zeit hatte man ein zähes Leben (fr. „avoir la vie dure“, eine Redewendung, wörtlich „das harte Leben haben“).

Und der Vater Noah?...

« 30. Lamech nannte seinen Sohn Noah und sprach: Dieser wird uns entlasten von unserem Werk und von der Arbeit unserer Hände, auf dieser Erde, die der Ewige verflucht hat...

33. Und Noah hatte fünfhundert Jahre überschritten, als er Sem, Ham und Japheth zeugte. »

Fünfhundert Jahre alt sein und erst dann anfangen, seine kleine Frau zu beschnäbeln (fr. „becqueter“: picken wie ein Vogel; umgangssprachlich auch mit kleinen Küssen bedecken)?... Besser spät als nie!...

Man hat viel Tinte fließen lassen über die außerordentliche Langlebigkeit der Patriarchen der Genesis. Katholische Doktoren, die spürten, wie gar zu schwer verdaulich diese Flunkereien waren, haben versucht, die Erzählungen des Heiligen Geistes vor der Lächerlichkeit zu retten; sie haben vorgebracht, man müsse unter Jahren vielleicht Mondmonate verstehen, indem sie andeuteten, dass man zu jener Zeit [74] vermutlich ausschließlich nach Monden zählte. Nach dieser Rechnung wäre Methusalah als Achtzigjähriger gestorben, das ist alles. Aber die Eiferer, die an diesen Wundern der Langlebigkeit der ersten Menschen festhalten, haben diese gefälligen Kommentatoren gehörig abgekanzelt.

Unter anderen erklärt der Domherr Rohrbacher in seiner Allgemeinen Geschichte der Kirche, dass es sich sehr wohl um Jahre von zwölf Monaten handelt, und er führt namentlich das Beispiel Abrahams an, der [75] nach der Genesis « in einem glücklichen Alter starb, da er sehr betagt und der Tage satt war, nachdem er hundertfünfundsiebzig Jahre gelebt hatte » (Genesis 25:7-8). Wenn man nach Mondmonaten zählen müsste,

Abraham hätte also im Ganzen nur vierzehn Jahre und sieben Monate gelebt, sagt Rohrbacher, und das würde nicht mit den Ausdrücken übereinstimmen, die der heilige Verfasser gebraucht. Um zu beweisen, dass die in der Genesis angegebenen Jahre wirklich zwölf Monate haben, führt derselbe Theologe noch mehrere [76] Gestalten an, deren Alter im Augenblick der Geburt ihres Erstgeborenen der göttliche Text bekannt gibt: Enos, Kenan, Mahalaleel zeugten im Alter von neunzig, von siebenzig, von fünfundsechzig Jahren; wenn man nach Mondmonaten zählt, sagt Rohrbacher, müsste man also annehmen, dass sie im Alter von siebeneinhalb Jahren, von fünf Jahren zehn Monaten, von fünf Jahren fünf Monaten Kinder gehabt hätten! Und Nahor, der nach dem biblischen Text mit neunundzwanzig Jahren zeugte, kann man vernünftigerweise glauben, ruft der hochgelehrte Domherr aus, dass das heißen soll, er sei in Wirklichkeit zwei Jahre und fünf Monate alt gewesen, als er sein erstes Kind bekam?...

Nein, guter Rohrbacher, und Sie sind es, der recht hat: Die Jahre, von denen die Genesis spricht, haben unbestreitbar zwölf Monate. Daher ist nichts amüsanter als der Fall des Biedermanns Noah, der wartete, bis er volle fünfhundert Jahre alt war, um zizi-panpan zu machen (ein scherzhaftes französisches Wort für den Beischlaf; gebildet aus zwei Kinderwörtern, „zizi“, dem Geschlechtsteil, und „panpan“, dem Klatschen der Klapse auf den Hintern).

Infidels